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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 55

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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IRI
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52 Wagen mit Holzkohle — in der Generalauf Zählung war nur die freie Durchfuhr von Brennholz erwähnt worden, — und Schüler, die ihre Bücher mitführen, äbgabefrei bleiben. Ich glaube nicht zu weit zu gehen, wenn ich behaupte, daß diese Willemover Zollregelung als Wirtschaftsdokument nur ein Gegenstück findet in der ßaffelstättener Zollordnung aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts.6) Dort wird nur von der Teilnahme der Juden am Grenzhandel gesprochen, unsere Urkunde erhält aber mit ihrer Fülle von Waren, Rohprodukten, Haib¬ und Fertigfabrikaten, Import- und Exportstücken erst dann ihren richtigen Sinn, wenn sie als Zeugnis jüdischen Überlandhandels von und nach den Sudetenländern angesehen wird.7) Daß Holzkohle aus dem böhmisch-mährischen Grenzwaldgebiete für Iglau, für das damals blühende Kuttenberger und Deutsch-Broder Revier einen wichtigen Artikel bildete, steht außer Frage. Man begreift es, daß die jüdischen Kaufleute auf die nachträgliche Aufnahme dieses zollfreien Artikels in das Statut Wert legten. Aber wozu denn auch die seolares suos ferentes Codices — eine recht merkwürdige, nur durch Vergeßlichkeit oder nachträgliche Aufnahme erklärliche Zusammenstellung — von dem Zoll befreien? Die Bestimmimg hat jedoch für uns kulturhistorischen Wert. Nicht allein der Weg nach Südmähren, nach dem durch jüdische Gelehrsamkeit damals ausgezeichneten Znaim und von dort nach Österreich, solange es erlaubt war, sondern auch nach Prag, der Mutter in Israel, und von dort nach Regensburg wurde von jüdischen Lehrern und Schülern immer wieder eingeschlagen. Und unwillkürlich erinnert man sich des einzigen großen Namens Israel Bruna, der in Regensburg zu trauriger Berühmtheit gelangen sollte.8) In einer Zeit, in der die alten Ratsgeschlechter noch unbestrittene Macht über alle Stadtbewohner hatten, war die verstärkte Einwanderung in die landesfürstlichen Städte Mährens erfolgt, die Macht der Zünfte war erst im Entstehen begriffen und die Juden konnten wenigstens einige Jahrzehnte ungehindert und darum auch erfolgreich ihre zwei Hauptberufe ausüben: Handelsschaft und Darlehensgeschäft. Solange das erstere überwog,9) der von den Juden geförderte Warenumlauf das christliche und jüdische Kleingeschäft stützte und den Stadtsäckel erheblich stärkte, konnte, zumal in friedlichen Zeiten, keine Mißstimmimg gegen sie entstehen. Der Jude durfte dank seiner weitreichenden Handel^verbindimgen

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