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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 46

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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43 freier Wille und in der Regel ihr Vorteil. Aber die Geistlichkeit wollte davon nichts wissen. Sie fürchtete um das Seelenheil der Christen, die im Hause eines Juden lebten, und diese Befürchtung war nicht völlig grundlos. Aus dem früheren Mittelalter sind uns einzelne Fälle überliefert, daß Christen zum Judentume übergetreten sind und es mögen mehr solcher Fälle vorgekommen sein, als uns die Quellen berichten.86) Die Gefahr war nach Ansicht der Geistlichkeit besonders groß bei den Sklaven, welche ganz von ihrem Herrn abhängig waren, aber sie war auch groß bei freien Menschen, wenn sie einfältig und ungebildet waren,87) und ständig mit den Juden lebten. Vielleicht hätte Herzog Wladislaw unter dem Einflüsse der Geistlichkeit noch schärfere Maßregeln gegen die Juden ergriffen, aber wenige Monate nach den erzählten Vorgängen verfiel er in eine Krankheit und am 12. April 1125 starb er.88) Die Ergebnisse dieser Untersuchung lassen sich in wenige Worte zusammenfassen. Jacob, ein getaufter Jude, hatte unter Herzog Wladislaw I. das höchste Amt in Böhmen erlangt. Er war gefürchtet und gehaßt und, um ihn zu stürzen, beschuldigten ihn seine Feinde, daß er aus religiösem Haß als ein vom Christentume wieder abgefallener Jude das Verbrechen der Kirchenschändung begangen habe. Sie selbst hatten es verübt, sie selbst hatten den Altar in der ehemaligen Synagoge zertrümmert und die Reliquien dieses Altars in das Haus Jacobs eingeschmuggelt. In Prag entstand ein wilder Aufruhr gegen Jacob und die Juden. Jacob wurde verhaftet und sein Vermögen vom Herzog eingezogen; die Juden mußten eine sehr große Geldstrafe bezahlen, ihre christlichen Sklaven auf Befehl des Herzogs freilassen und er verbot ihnen, christliches Gesinde zu halten. Die Juden von Prag sind also gestraft worden für ein Verbrechen, das sie nicht begangen hatten, an dem aber auch ihr ehemaliger Glaubensgenosse, der getaufte Jacob, keinen Anteil hatte. Das paßt ganz zu dem Bilde, das wir aus der allgemeinen Geschichte der Juden im Mittelalter gewinnen. Anmerkungen.!) Lib. III. cap. 57. 2) Vgl. seine Geschichte Böhmens Buch III, Capitel 7. (1092 bis 1125).

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