Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0502-2644844- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 haben, sich dem Herzog zu widersetzen und die Freilassung seiner Sklaven zu verweigern, wenn ihm namens des Herzogs etwa die Hälfte oder ein Viertel des verlangten Kaufpreises angeboten worden wäre? Aber solche Einzelverhandlungen werden gar nicht stattgefunden haben, es entspricht viel besser den wirklichen Verhältnissen, daß den Juden b e f o h- 1 e n wurde, ihre Sklaven unter den vom Herzog bestimmten Bedingungen freizulassen. Selbst wenn es richtig wäre, daß Wladislaw für den Loskauf der Sklaven den ganzen Betrag, den er von den Juden erhalten hatte, die ganzen 3000 Pfund Silber und 100 Pfund Gold gewidmet hätte, so wäre das Ergebnis für die Juden kein anderes gewesen, als daß sie das Geld, das ihnen abgepreßt worden war, zurückerhalten hätten, und aus diesem, ihrem Gelde sich die Entschädigung für die freigelassenen Sklaven hätten holen müssen. Aber vielleicht ist die Rechnung für die Juden noch schlechter ausgefallen. Herzog Wladislaw hatte kurz vor diesen Ereignissen (Sturz Jacobs usw.) große Auslagen zu bestreiten gehabt, für die Vermählung seiner ältesten Tochter Svatava mit dem Grafen Friedrich von Bogen.83) Der Herzog hatte seiner Tochter eine deiche Ausstattung und große Einkünfte84) gegeben und da mögen seine Geldtruhen leer geworden sein. Es würde ganz gut passen, daß er mit dem Geld der Juden sie wieder gefüllt, d. h. daß er ihnen für ihre Sklaven wenig oder nichts gegeben hat. Wie immer sich das verhalten mag, so ist es sicher, daß der angebliche Loskauf der Sklaven eine gegen die Juden gerichtete Maßregel war. Sie wird sie ebenso schwer getroffen haben, wie die „freiwillige" Zahlung der ungeheuren Geldsumme an den Herzog. Am deutlichsten ist die judenfeindliche Tendenz in der von Cosmas zuletzt erwähnten Verordnimg Wladislaws, daß in Hinkunft kein Christ Juden dienen dürfe, zu erkennen. Damit war ihnen, die eben jetzt ihre christlichen Sklaven hatten freilassen müssen, untersagt, christliches Gesinde zu halten. Die Verordnung zeigt uns auch, wer hinter dem Herzog stand und ihm die Hand führte: es war die Geistlichkeit. Nur sie hatte ein Interesse daran, daß Juden keine christlichen Sklaven und keine christlichen Knechte und Mägde haben sollten. Denn der Sklavenhandel dauerte in Böhmen fort,85) auch wenn den Juden augenblicklich der Besitz von christlichen Sklaven verboten war; und wenn christliche Dienstleute sich bei einem Juden verdingten, so war es ihr