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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 44

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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IRI
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41 sich dagegen verwahrt haben, sie mögen hundert Eide für ihre Schuldlosigkeit angeboten haben, es half nichts, sie mußten zahlen, weil sie Juden waren. Es war etwas ähnliches, wie im Jahre 1098. Damals hatte Herzog Bf etislav IL die Juden von Prag ausplündern lassen, weil einzelne von ihnen ohne seine Erlaubnis das Land verlassen hatten. Jetzt wurde den Juden eine ungeheure Geldstrafe auferlegt, weil der Altar in der ehemaligen Synagoge zerstört worden war, nicht von den Juden, auch nicht von dem getauften Jacob, sondern von dessen Feinden. Aber das Volk, das von dem Schurkenstreich nichts wußte, wütete gegen die Juden, und diese mußten büßen. Was sich in Prag im Jahre 1124 ereignet hat, ist allerdings keine regelrechte, aber doch eine kleine, man möchte fast sagen bescheidene Judenverfolgung gewesen. Das wird vollkommen klar, wenn man die folgenden Ereignisse erwägt. „Daß aber der Herzog angeeifert durch die Gnade Gottes", erzählt Cosmas, „die christlichen Sklaven von allen Juden loskaufte und ein Verbot erließ, daß in Hinkunft kein Christ ihnen diene, dazu sage ich: amen, amen. Was immer er jemals begangen hat, alles hat er mit dieser löblichen Tat ausgetilgt und sich einen unsterblichen Namen erworben." Indem die beiden Sätze, daß die Juden für die Bettung Jacobs eine so große Geldsumme zahlten und daß der Herzog die christlichen Sklaven von den Juden loskaufte, einander folgen, wird der Eindruck hervorgerufen, daß der Herzog das Geld, das er von den Juden erhalten hätte, zum Loskaufe der Sklaven verwendet hat. Das heißt, Cosmas will sagen, der Herzog hat sich mit dem jüdischen Gelde nicht bereichert, er hat es gar nicht in die Hand genommen, sondern gleich einem gottgefälligen Zwecke zugeführt. Die neueren Forscher haben die Erzählung vom Loskaufe der christlichen Sklaven übernommen, ohne die eigentümlichen Umstände dieser Sklavenbefreiung zu beachten. Der Herzog, sagt Cosmas, kaufte alle christlichen Sklaven von den Juden los, war das ein Rechtsgeschäft wie irgend ein anderes? Kam es so zustande, wie etwa der Kauf dieser Sklaven durch die Juden? Durch freie Vereinbarung zwischen Käufer und Verkäufer? Man sehe nur die beiden Partner an: der Käufer ist der Herzog, der Verkäufer ist der Jude. Der Käufer ist der Herr im Lande, der Verkäufer ist rechtlos und wehrlos, ganz von der Gnade und Laune des Käufers, d. i. des Landesherrn, abhängig. Würde auch nur ein einziger Jude in Böhmen es gewagt

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