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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 43

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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IRI
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40 retten wollten? Bretholz hat gegen diese Angabe die Einwendung erhoben, es bleibe unaufgeklärt, weshalb die Prager Judenschaft zu solchen Opfern für Jacob sich entschlossen habe, der nach Cosmas' eigener Erzählung sogar die Synagoge entweiht und die jüdische Eeligion geschändet haben soll; es sei sicher, daß damals eine Judenverfolgung in Prag stattgefunden habe. Was Bretholz hier erzählt, ist bereits von Novotny79) berichtigt worden. Von einer Entweihung der Synagoge durch Jacob kann in der Tat nicht die Rede sein.80) Novotny bestreitet auch, daß damals eine Judenverfolgung in Prag sich ereignet habe, „das lassen die Worte von Cosmas nicht zu und auch sonst erwähnt keine Quelle etwas ähnliches." Das ist insoweit richtig, daß die Juden in Prag damals nicht erschlagen und auch nicht vertrieben worden sind. Aber durch diese Berichtigungen Novotirps ist die Frage, die Bretholz aufgeworfen hat, noch nicht beantwortet: wie ist es zu erklären, daß die Juden eine so große Summe Geldes, 3000 Pfund Silber und 100 Pfund Gold für Jacob bezahlten! Wollten sie einen Glaubensbruder vom Tode retten? Nein. Jacob war nicht mehr Jude, er war ein Abgefallener.81) Oder war es Dankbarkeit für Begünstigungen und Wohltaten, die sie von Jacob erfahren hatten? Häjek und Dubravius erzählen uns, daß Jacob als Vicedominus die Juden begünstigt und die Christen geschädigt habe. Aber Cosmas hat kein Wort davon, und in diesem Falle, bei seiner ausgesprochenen Gehässigkeit gegen Jacob und die Juden, werden wir sein Schweigen als Beweis des Gegenteils, nämlich, daß solche Begünstigungen nicht erfolgt sind, ansehen müssem. Oder wollten die Juden, indem sie Jacob retteten, solche Begünstigungen von ihm in der Zukunft erlangen? Aber Jacob war gestürzt, er mußte um sein Leben zittern, von ihm war nichts mehr zu erwarten. Andererseits ist an der Tatsache, daß die Juden die 3000 Pfund Silber und 100 Pfund Gold dem Herzog bezahlt haben, nicht zu zweifeln. Und damit kommen wir wieder zur Frage: weshalb haben denn die Juden soviel gezahlt? Die Antwort ist: sie zahlten, weil sie zahlen mußten. Sie waren, wie Cosmas sagt, die gleichen Verbrecher wie Jacob,82) d. h. sie sind beschuldigt worden, an dem Verbrechen der Kirchenschändung teilgenommen zu haben. Die Juden mögen hundertmal

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