Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2644300-2644303--0499-2644841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

39 das Verbrechen nicht begangen hatte, seine Schuldlosigkeit beteuert hat, vielleicht hat er sogar sie erwiesen.77) Trotzdem wurde er, der Günstling und Vertrauensmann des Herzogs, von diesem verurteilt. Was war die Ursache? War Wladislaw seines Werkzeugs schon überdrüssig und wollte er sich seiner entledigen? Schwerlich, denn er hätte ihn ja jeden Tag entlassen können. Reizte ihn der Reichtum Jacobs? Vielleicht. Aber den Ausschlag wird ein anderes Moment gegeben haben. Cosmas sagt, der von Gott erfüllte, Christus nacheifernde Herzog habe den gottlosen Verbrecher Jacob ins Gefängnis werfen lassen. Der von Gott erfüllte, Christus nacheifernde Wladislaw — davon ist soviel richtig, daß Wladislaw von derselben handfesten, äußerlichen Frömmigkeit war, wie die meisten Fürsten des pfemyslidischen Geschlechtes. Nicht aus frommer Entrüstung hat er Jacob verurteilt, auch nicht weil er ihn für schuldig hielt — das zeigt der weitere Verlauf, sondern aus Gründen der Politik. Die Zerstörung des Altars und die Auffindung der Reliquien in der Kloake müssen in der Stadt, wie schon oben bemerkt wurde, Zorn und Wut gegen Jacob und gegen alle Juden hervorgerufen haben. Dem rasenden See wurde Jacob geopfert, hätte der Herzog ihn geschützt, so wäre er selbst in Gefahr gekommen. Die Geistlichkeit und das Volk verlangten Sühne für die Kirchenschändung, Bestrafung der Täter, dem hat sich Wladislaw nicht widersetzt, sonst wäre er selbst als Freund der Juden und Feind der Christen angesehen worden. Deshalb mußte Jacob fallen. Deshalb wurde er in den Kerker geworfen und sein Vermögen eingezogen. Weiter ging jedoch der Herzog nicht, trotzdem nach der Auffassung jener Zeit ein so furchtbares Verbrechen durch den Tod des Täters gesühnt werden mußte. Die Todesstrafe wurde Jacob erlassen — weil die Juden von Prag, wie Cosmas uns berichtet, dem Herzog eine große Summe als Lösegeld für Jacob bezahlten. „Außerdem78) erlegten die Juden, die gleichen Verbrecher wie er (Jacob)", lautet diese Stelle, „dem Herzog 3000 Pfund Silber und 100 Pfund Gold, damit der genannte Bastard nicht mit dem Kopfe büße." Daß die Juden, sei es von Prag, sei es von ganz Böhmen, dem Herzog die genannte Summe gezahlt haben, werden wir als unzweifelhafte Tatsache ansehen müssen. Gilt das auch für die weitere Erzählung, daß die Juden mit diesem Gelde den verurteilten Jacob vom Tode

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.