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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 39

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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IRI
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36 sich eine Schwierigkeit: wenn Jacob der Täter gewesen ist und beobachtet wurde, wie kam es, daß er ungestört die Tat ausführen und mit den geraubten Reliquien davon eilen konnte? Man sollte glauben, daß ihn, der früher Jude gewesen war, auch seine Stellung als Vicedominus nicht vor der Wut des christlichen Volkes geschützt hätte. Wir werden daher besser annehmen, daß Jacob nicht auf frischer Tat ertappt worden, sondern aus einem anderen Grunde, den uns Cosmas nennt, als der Täter entlarvt worden ist: er hatte die geraubten Reliquien in seine Kloake geworfen. Was ist hier unter Kloake zu verstehen? Bei den Römern wird das Wort in zweifachem Sinne gebraucht, es bedeutet den Kanal, der die Abwässer und den Unrat der Stadt fortführt, und es bedeutet auch heimliches Gemach (Abtritt, Closet). An unserer Stelle kann nicht ein Kanal gemeint sein, weil die deutschen Städte im Mittelalter und ebenso auch Prag solche Kanäle nicht hatten. Das Wort kann nur in der zweiten Bedeutung gebraucht sein: heimliches Gemach, eventuell die Grube (Senkgrube), die den ganzen Unrat des Hauses aufnahm. In eine solche Kloake, in die Kloake seines Hauses, hätte also Jacob die geraubten Reliquien geworfen. Was für Reliquien es gewesen sind, sagt uns Cosmas nicht,73) es kommt auch für unsere Untersuchung nicht in Betracht. Dagegen ist ein Umstand hervorzuheben: Reliquien sind in einer Büchse oder Kapsel verschlossen in den Altar gelegt worden. Und nun kommen wir zur Frage: woher wußte man, daß Jacob die Reliquienkapsel in seine Kloake geworfen hat? Hat er selbst sich einer solchen Tat gerühmt? Das ist kaum zu glauben, da er doch heimlich, in der Nacht die Reliquien geraubt hatte. Oder ist er beobachtet worden, wie er sie in seine Kloake warf? Das ist noch weniger zu glauben, das heimliche Gemach war doch nicht zur Beobachtung geeignet. Es bleibt also nur die Erklärung: die Reliquienkapsel ist im Hause Jacobs an dem erwähnten Orte gefunden worden. Das Ergebnis ist also: Irgend ein glaubwürdiges Motiv, das Jacob zu dem Kirchenfrevel hätte bewegen können, ist nicht festzustellen; er ist auch nicht in flagranti ertappt worden, weder bei der Zerstörung des Altars, noch bei der Versenkimg der Reliquien. Aber diese sind doch in seinem Hause, in seiner Kloake gefunden worden. Das alles wird noch mysteriöser, wenn man die Frage stellt: wie konnten die Reliquien in der Kloake

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