Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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35 Dobner meint, so ist es doch sonderbar, daß Jacob das Verbrechen im Geheimen beging, daß er das Dunkel der Nacht benützte; von einem solchen Menschen, der auf seine Reichtümer, seine Macht und auf die Gunst des Herzogs pochte, könnte man vielmehr erwarten, daß er am hellen Tag, vor den Augen aller in die Kirche eingedrungen wäre. Der gleiche Einwand gilt auch für die Erklärung Dubnows. Der hochgestellte Renegat, der sich demonstrativ vom Christentum lossagen will und sichdesNachtsindieKirche schleicht, das wäre eine merkwürdige Demonstration gewesen! Auch gegen die Darstellung Novotnys, daß Jacob die seinen Glaubensgenossen zugefügte Schmach, die Umwandlung ihrer Synagoge in eine Kirche, rächen wollte, ergeben sich Bedenken. Einmal, daß der Vicedominus Jacob nicht mehr Jude war und daß schon 1096 die Synagoge den Juden weggenommen worden war. Da ist es höchst unwahrscheinlich, daß er im Jahre 1124, also 28 Jahre später, beim Anblick der ehemaligen Synagoge von dem Gefühl überwältigt worden sei, hier sei den Juden eine solche Schmach zugefügt, und er, der Getaufte, müsse sie rächen. Zweitens, daß Jacob, wenn er bei gesunden Sinnen war, sich doch sagen mußte, daß er durch eine solche Tat (Zerstörung des Altars) sich selbst der größten Gefahr aussetzte, aber auch alle Juden im Lande. Es bliebe also nur die Erklärung, daß er nicht bei Sinnen war, sondern in einem Anfall von Verrücktheit, in einer Geistesstörung, gehandelt hat. Aber eine solche Annahme, die für jede Torheit und für jedes Verbrechen, das jemals begangen worden ist, paßt, ist doch sehr bedenklich. Dazu kommt etwas anderes: die eigentümlichen Umstände der Tat. Es sei nochmals bemerkt, daß an der Tatsache, daß der Altar in der ehemaligen Synagoge zerstört und die Reliquien geraubt wurden, kein Zweifel zulässig ist. Eine solche Nachricht kann Cosmas nicht erfunden haben. Auch seine Angabe, das Verbrechen sei in der Nacht geschehen, ist vollkommen glaubwürdig. Am nächsten Morgen kann der Priester, der an dem Altar die Messe zu lesen hatte, zu seinem Entsetzen die Zerstörung entdeckt haben. Es könnte auch noch in derselben Nacht der Verbrecher bei seiner schändlichen Tat beobachtet worden sein; und nur in diesem Falle konnte die Person des Täters gleich festgestellt werden. Aber da zeigt