Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0491-2644833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
31 geworden sein, sondern erst nach der Taufe, als Christ. Er kann auch nicht als Vicedominus den Glauben gewechselt, das Christentum mit dem Judentum vertauscht haben, er wäre in seinem Amt keinen Tag mehr geduldet worden. Die jüdische Herkunft, die Abstammung von einem mißhandelten und verachteten Volk, konnten ihm nur Feinde im Geheimen vorwerfen. Für den Staat und für die Kirche war seine Herkunft gleichgültig, Christ war Christ, und ebenso wie der Sohn des Juden Podiva in der Hofgeistlichkeit Aufnahme finden imd Propst werden konnte,52) konnte auch der Jude Jacob nach erfolgter Taufe Vicedominus werden. Man wird einwenden, Cosmas sage doch, daß Jacob nach erfolgter Taufe abtrünnig, wieder Jude geworden sei. Dann wäre er entweder als rückfälliger Jude Vicedominus geworden, oder es geblieben. Wenn die Worte von Cosmas nur diese Deutung zuließen, dann müßten wir seinen Bericht als falsch, als mit den Zeitverhältnissen im stärksten Widerspruche ablehnen. Aber wir brauchen nicht so weit zu gehen. Denn bei genauer Prüfung zeigt sich, daß sein Bericht anders erklärt werden kann: Die Worte „dieser selbe Mensch nach der Taufe abtrünnig" beziehen sich auf das folgende: „zerstörte in der Nacht den (christlichen) Altar in der Synagoge", d. h. s i e geben das Motiv für diese Tat an. Es wird unten gezeigt werden, welche Bewandtnis es mit der Zerstörung des Altars gehabt hat. Hier genüge die Bemerkung, daß gegen Jacob die Anklage erhoben wurde, ein solches Verbrechen bedangen zu haben, und zwar aus religiösem Haß, als ein getaufter Jude, der im Geheimen53) vom Christentum wieder abgefallen sei. Damit kommen wir zu einem Ergebnisse, das in den Rahmen der Zeit ausgezeichnet paßt: Jacob war ursprünglich Jude gewesen, dann Christ geworden, und als solcher war er bis zum höchsten Amte, bis zum Vicedominus vorgerückt. Daß er vom Christentume abgefallen und im Geheimen wieder Jude geworden sei, ist eine Behauptung seiner Ankläger. Die Frage, wie Jacob zu seinem hohen Amt gekommen ist, ist von den neueren Forschern im Ganzen übereinstimmend beantwortet worden. D u d i k54) (der es an Judenfeindschaft mit seinen geistlichen Genossen Häjek und Baibin aufnimmt) sagt, daß Jacob durch seine enormen Reichtümer und eine mehr als satanische (!) Schlauheit emporgekommen sei. Aronius,55) der Herausgeber der Regesten zur Geschichte der