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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 33

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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IRI
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30 als zwei Jahre später einzelne Juden aus Prag flüchteten, und andere Vorbereitungen trafen, ihr Vermögen heimlich nach Polen und Ungarn zu schaffen.48) Das wurde dem Herzog gemeldet, so erzählt Cosmas, er geriet darüber in Zorn und befahl, allen Juden ihre ganze Habe wegzunehmen: was sie hätten, gehöre ihm, sie seien leer ins Land gekommen und könnten leer es wieder verlassen.49) Die Ausgeplünderten blieben in Prag, wie sich von selbst ergibt, in den kümmerlichsten Verhältnissen. Als im Jahre 1107, also nach neun Jahren, Bischof Hermann von Prag 500 Mark Silber benötigte, und 5 kostbare Stücke aus dem Ornate der Prager Kirche als Pfand setzen wollte, waren die Prager Juden nicht im Stande, ein so gewinnbringendes Geschäft abzuschließen.50) Sie hatten ihren Eeichtum, von dem Cosmas so viel zu reden weiß, verloren und weil sie nichts mehr hatten, was den Neid des Volkes erwecken konnte, lebten sie unangefochten und in Frieden. Als Bischof Hermann von Prag im Jahre 1122 starb, soll er in seinen letzten Stunden sich die bittersten Vorwürfe gemacht haben, daß er ruhig zugesehen habe, wie die zwangsweise Getauften wieder zu ihrer jüdischen Eeligion zurückgekehrt seien, und daß das christliche Volk mit den Juden freundschaftlich verkehre.51) Man sieht, die Juden waren in Böhmen damals (nach dem ersten Kreuzzuge) ebenso rechtlos wie in den anderen christlichen Ländern, ebenso von der Gnade und Laune des Landesfürsten abhängig; er konnte ihnen ihr Vermögen wegnehmen, sie im Lande dulden oder vertreiben, und sie waren ebenso wie anderwärts der Geistlichkeit verhaßt. Wir wissen nicht, ob der Beschluß des römischen Konzils von 1078, daß Juden keine Gewalt über Christen gegeben werden sollte, auch in Böhmen verkündet worden ist. Aber wenn es auch nicht gewesen sein sollte, so waren doch wenigstens die Lehren der Kirchenväter, daß die Juden den Christen zu ewiger Knechtschaft unterworfen seien, daß sie nur aus Menschlichkeit geduldet werden, weil sie lebendige Zeugnisse des Sieges der christlichen Kirche seien, der Geistlichkeit in Böhmen bekannt. Wer kann nun glauben, daß in diesem Lande zu Anfang des 12. Jahrhunderts ein Jude das höchste Amt erlangt hätte, daß ein böhmischer Fürst an die Spitze des Hofstaates und der gesamten Verwaltung einen Juden gestellt hätte? Die pfemyslidischen Fürsten vermochten viel, aber das hätte keiner gewagt. Wenn also Jacob Vicedominus geworden ist, so kann er es nicht als Jude

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