Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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29 anderwärts von der Kirche durch Übernahme ins kanonische Recht zur Geltung gebracht."42) Von diesen maßgebenden Grundsätzen ist der wichtigste, daß Juden von allen höheren Staatsämtern und Würden ausgeschlossen sind. Es wäre ein Frevel, heißt es im Edict des Kaisers Theodosius IL von 438, die Feinde Gottes zu Vollstreckern der römischen Gesetze zu machen, und ihnen Gewalt zu geben, über Christen zu urteilen. Die Kirche hat diesen Satz den christlichen Fürsten immer wieder ins Gedächtnis gerufen, auf Provinzial- und allgemeinen Konzilien, und durch die Päpste. Aus der Fülle der Beispiele sei nur ein einziges angeführt, das zeitlich unserem Thema am nächsten ist. Auf der Synode zu Rom 1078 wurde das römische und kanonische Verbot, Juden Gewalt über Christen zu geben, wiederholt. Dementsprechend schrieb Papst Gregor VII. an König Alfons VI. von Kastilien: „Was bedeutet es anders, den Juden die Christen zu unterordnen und sie dem Urteilsspruche jener zu unterwerfen, als die Kirche Gottes zu erniedrigen und die Synagoge des Satans zu erhöhen?"43) Es ist richtig, daß dieses Gebot der Kirche nicht immer und nicht überall befolgt worden ist. Wo christliche Fürsten ihren Vorteil sahen, haben sie auch Juden Ämter übertragen; soviel wir sehen können, sind es jedoch nur Finanzämter gewesen. Im Gebiete des Deutschen Reiches werden Juden als Zöllner,44) Münzmeister,45) ja sogar einmal im 13. Jahrhunderte als Vorstände der herzoglichen Kammer in Österreich genannt.46) Aber darüber hinaus sind sie nicht gekommen. Daß Juden das höchste Amt im Lande, die Leitung der gesamten Verwaltung, anvertraut worden wäre, dafür haben wir in Deutschland kein Beispiel. Sollte es in Böhmen anders gewesen sein? War hier die soziale und Eechtsstellung der Juden umso viel besser als in den anderen christlichen Ländern? Es sind, wie bereits oben bemerkt worden ist, nur wenig Nachrichten über die böhmischen Juden des früheren Mittelalters erhalten, aber sie reichen doch aus, um ihre Lage zu erkennen. Als die Juden von Prag im Jahre 1096 von den aus Deutschland gekommenen Kreuzfahrern bedrängt wurden, schickte Herzog Bfetislav IL ihnen eine Schar Reiter zu Hilfe.47) Er wollte die fremden Eindringlinge aus dem Lande treiben und die Juden vor Raub und Plünderung durch Fremde schützen, um selbst sie ausbeuten zu können. Dieses Motiv tritt deutlich hervor,