Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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28 Christ geworden und schließlich auch vom Christentum abgefallen und wieder zur jüdischen Eeligion zurückgekehrt. Das wäre an sich vollkommen glaubwürdig. Es mag in Prag zur Zeit Jacobs unter den Juden, besonders unter den älteren, noch welche gegeben haben, welche eine solche Veränderung durchgemacht hatten: den doppelten Glaubenswechsel mit endgültiger Rückkehr zum Judentum. Im Jahre 1096, bei dem ersten Kreuzzuge, sind in Deutschland an verschiedenen Orten die Juden mit Gewalt getauft worden,35) und auch in Prag haben manche, um ihr Leben zu retten, sich der Taufe unterworfen.36) Aber nach dem Abzug der Kreuzfahrer und besonders nachdem Kaiser Heinrich IV. den zwangsweise Getauften erlaubt hatte, zu ihrer alten Religion zurückzukehren,37) warfen viele das Christentum von sich und wurden wieder Juden. Das geschah auch in Prag. Weder die weltliche noch die geistliche Gewalt setzten sich dem entgegen. Herzog Bf etislav IL erklärte, eine solche Sache gehe nur die Geistlichkeit an,38) und das Haupt der Geistlichkeit in Böhmen, Bischof Cosmas von Prag und auch sein Nachfolger Bischof Hermann erhoben keine Einwendimg, sahen ruhig zu, wie die gegen ihren Willen Getauften sich wieder als Juden bekannten.39) Einer von diesen könnte Jacob gewesen sein, und das ist auch in der neuesten Geschichte Böhmens von Novotny zu lesen. Der Jude Jacob, einer der obersten Beamten, sagt Novotny, welcher das Christentum angenommen, dann aber zum Glauben seiner Väter zurückkehrte, war zweifellos einer von jenen, die im Jahre 1096 von dem kreuzfahrenden Pöbel gewaltsam getauft worden waren;40) und an einer anderen Stelle bemerkt er, daß Jacob die höchste Stelle am Hofe Wladislaws erlangte, obwohl er der Herkunft nach ein Jude war, und daher „aus einer im Mittelalter verachteten Klasse".41) Darnach wäre also Jacob als Jude zur höchsten Stelle gelangt, als Jude Vicedominus geworden. Damit kommen wir auf einen Punkt von allgemeiner Bedeutung. Caro hat in seinem schönen Buche „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden" hervorgehoben, daß in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts im römischen Reiche die Grundsätze festgestellt worden sind, nach denen fortan die Stellung der Juden im christlichen Staate sich regeln sollte. „Spätere Jahrhunderte haben vielerlei hinzugefügt und gelegentlich auch einiges gemildert, die Grundgedanken blieben maßgebend, wo immer das römische Recht galt, und wurden