Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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26 daß dieser fromme Herzog derjenige gewesen ist, der Jacob zum Vicedominus gemacht hat,24) das sagt Cosmas nicht, das wagte der alte furchtsame Mann nicht.25) Er hat aber doch in seiner anscheinend treuherzigen und absichtslosen Art angedeutet, wie schwer Wladislaw durch die Ernennung Jacobs sich am Lande Böhmen versündigt hat. Ohne ein Wort des Tadels gegen den Herzog, aber mit einer Flut von Schmähungen gegen seinen Günstling. Das ganze Kapitel, das von Jacob handelt, ist voll davon. Ein Sohn des Teufels, ein giftiger Basilisk, der schändlichste Mensch, ein Betrüger, ein Bastard, der böse Feind des böhmischen Volkes — so wird Jacob geschildert, allerdings erst dann, als er bereits gestürzt war. Cosmas hat diesen Mann, den er aus tiefster Seele haßte, gefürchtet, so lange er an der Macht war. Und wenn wir fragen, was war es denn mit Jacob? Warum wurde er so gehaßt? so erzählt uns Cosmas, daß dieser getaufte und wieder abtrünnige Jude einen Altar in einer Kirche zertrümmert habe. Es liegt auf der Hand, daß damit nicht alles erklärt ist. Die Zerstörung des Altars ist doch kein ausreichender Grund, Jacob einen Basilisken zu nennen, oder gar einen Betrüger und den bösen Feind des böhmischen Volkes. Es müssen ganz andere Vorgänge gewesen sein, auf die Cosmas anspielt. Er verschweigt sie, aus Vorsicht oder Furcht, weil er auch eine andere Persönlichkeit, die Jacob gewähren ließ, als mitschuldig hätte nennen müssen: den Herzog selbst. Denn die Anspielungen von Cosmas können sich nur auf die öffentliche Tätigkeit Jacobs beziehen, von der uns Cosmas sagt, daß Jacob nach dem Herzog das Amt eines Vicedominus verwaltete (post ducem vicedomini fungeretur officio). Diese Worte sind von einigen Forschern so ausgelegt worden, daß Jacob aus diesem oder jenem Grunde in solchem A n s e h e n bei Herzog Wladislaw gestanden sei, daß er „beinahe herzogliche Gewalt"26) oder „geradezu vicekönigliche27) Gewalt" besessen, oder daß „man ihn als Regentenstellvertreter ansah".28) Dies(e Erklärungen sind jedoch mit dem Wortlaute der Stelle nicht zu vereinbaren, Cosmas spricht von einem bestimmten Amt, das Jacob innehatte, von dem Amt des Vicedominus. Was ist darunter gemeint? Das Wort „Vicedominus" bedeutet Stellvertreter des Dominus, des Herrn, und wer in unserem Falle als Herr anzusehen ist, sagen die Worte „nach dem Herzog (post ducem)" ganz deutlich.29) Jacob war also Stellvertreter oder Statthalter des Herzogs