Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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25 oder Lügner, sondern Leute, die die Wahrheit reden (veridici), haben oft den Teufel an der Seite Jacobs gesehen, dann kann nach der Ansicht von Cosmas an der Sache selbst kein Zweifel sein; und er ist auch der festen Uberzeugung, daß Jacob vom Teufel unterstützt wurde. Darüber werden wir uns nicht wundern, es ist ja noch tiefes Mittelalter,23) es ist das Jahr 1124, in welchem Cosmas dieses Kapitel seiner Chronik schrieb. Suchen wir festzustellen, wie die Gewährsmänner von Cosmas zu ihrer Behauptimg gekommen sind, so werden wir hier nicht eine reine Erfindimg annehmen können. Es waren ja sehr viele, sagt Cosmas, es waren ernste Männer, und sie haben nicht einmal, sondern oft, den Teufel an der Seite Jacobs gesehen. Die Erklärung dieses Phänomens ist eine einfache: Jacob hatte einen Diener, der für den Teufel gehalten wurde! Das Äußere dieses Dieners muß erschreckend und seltsam gewesen sein, vielleicht hatte man in Böhmen noch keinen solchen Menschen gesehen. Und da durch das ganze Mittelalter schwarze Sklaven nach Europa gebracht worden sind, liegt die Vermutung nahe, daß der angebliche Teufel ein Schwarzer gewesen ist. Jacob war ja ein großer Herr in Böhmen geworden, er mag aus Eitelkeit, um mit einem solchen exotischen Diener zu prunken, sich einen Negersklaven gekauft haben. Im engsten Zusammenhange mit dieser Erzählung vom Teufel als Diener Jacobs steht der nächste Satz: „Er (der Teufel) hat ihn (Jacob) durch seine Künste zu einer solchen Verwegenheit, ja Unvernunft, getrieben, daß der schändlichste Mensch sein Maß überschritt und nach dem Herzog das Amt eines Stellvertreters (vicedominus) verwaltete, das war für das christliche Volk ein großes Chaos.41 Was hier erzählt wird, ist sehr merkwürdig: Jacob sei durch den Teufel verleitet, so frech geworden, das Amt eines Vicedominus zu führen! Das wird Cosmas selbst nicht geglaubt haben. Denn er wußte doch ganz gut, daß Jacob bei aller Frechheit, bei aller Unterstützung durch den Teufel, nicht von selbst nach dem Amte des Vicedominus greifen konnte. Da brauchte es noch einen anderen, von dem er dieses Amt erhalten konnte: das war der böhmische Herzog. Ihn nennt Cosmas erst später, erst bei der Erzählung, wie Jacob auf Befehl Wladislaws verhaftet wurde, und jetzt überhäuft der Geschichtsschreiber den Herzog mit Lob: das ist ein Mann, von Gott erfüllt, ein Eiferer für Christus, von der Gnade Gottes erleuchtet. Aber