Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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23 Jude Jacob, der über Aufforderung des Herzogs sich taufen läßt, der durch ein besonderes Edict des Herzogs gegen Verunglimpfungen geschützt wird, den die neidischen Hofleute belauern, der nach seiner Verhaftung selbst sein Vermögen anbietet — das alles ist neu. Auch hier müssen wir fragen: Hat Dubravius aus einer uns unbekannten Quelle geschöpft? Wir können mit aller Sicherheit sagen: Nein.14) Die Quellen, die er für die Erzählung von Jacob benützt hat, haben wir heute noch, es sind keine anderen als die uns bekannten Chroniken von Cosmas und Häjek. Und trotzdem solche Verschiedenheiten! Die Erklärung ist eine ähnliche wie bei Häjek. Die neuen Nachrichten von Dubravius sind nichts anderes als seine eigenen freien Kombinationen.15) Ebenso wie Häjek ergänzt und erweitert auch er den kurzen Bericht von Cosmas, aber in anderer Weise — weil er ein anderer Kopf war als Häjek und für andere Leser geschrieben hat. Die Chronik Häjeks ist ein volkstümliches Buch, in cechischer Sprache, das Geschichtswerk von Dubravius wendet sich dagegen nur an die Gebildeten, die des Lateins kundig sind und von der Welt, von Königen und Fürsten, von Intriguen und Feindschaften an fürstlichen Höfen schon etwas gehört haben. Cosmas und ihm folgend Häjek erzählen, daß der Teufel selbst Jacob diente. Das läßt Dubravius weg, welcher gebildete Mensch könnte so etwas glauben? Häjek erzählt, daß Jacob dem Herzog Wladislaw sich an die Fersen heftete, daß er hinter ihm ging und hinter ihm stand: das sind Histörchen für das gemeine Volk, Dubravius geht darüber hinweg. Cosmas berichtet, daß Jacob Vicedominus gewesen sei, und Dubravius stellt sich die Frage: was ist das? Er findet die Erklärung,16) Vicedominus ist der Finanzverwalter des Fürsten; und nun sieht er den Zusammenhang: der jüdische Finanzverwalter, der trotz der Taufe Jude bleibt, die Juden begünstigt und die Christen schädigt, den seine Feinde beobachten usw. Auf die weiteren Darstellungen dieser Vorgänge in den Werken von Hammerschmidt,17) Pubitschka18) und Dobner19) können wir verzichten, sie bieten nichts Neues.20) Es sei nur erwähnt, daß Hammerschmidt ein Gemisch aus den beiden Erzählungen von Häjek und Dubravius bringt und Cosmas gar nicht erwähnt; dagegen weist die Darstellung Pubitschkas einen Fortschritt auf, sie hat zwar die Erzählung Häjeks zur Grundlage genommen, aber doch versucht, sie mit dem Berichte von Cosmas zu verbinden. Schließlich hat Dobner (wie