Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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22 Häjek für seine Erzählung keine andere Quelle gehabt hat als den kurzen Bericht von Cosmas, und daß alles, was über diesen Bericht hinausgeht, vom ersten bis zum letzten Worte seine Erfindung ist.12) Ein Jahrzehnt, nachdem die Chronik Häjeks im Drucke erschienen war, wurde ein anderes Werk veröffentlicht, das hier genannt werden muß: es sind die 33 Bücher böhmischer Geschichte (von der Einwanderung des böhmischen Volkes bis zum Untergang des Jagellonen Ludwig 1526) des Olmützer Bischofs Johann Dubravsky oder wie er als Schriftsteller sich nannte: Dubravius. Hier findet sich auch ein Abschnitt13) über Jacob. „Herzog Wladislaw", schreibt Dubravius, „ernannte einen Juden namens Jacob zum „quaestor" in Böhmen, und übertrug ihm die Einhebung aller Abgaben und die Verwaltung des fürstlichen Schatzes. Aber den Ständen (!) erschien es als unwürdig und unerträglich, daß ein Jude unter Christen ein so wichtiges Amt bekleide. Um Jacob von dieser Feindschaft zu befreien, redete ihm der Herzog Wladislaw zu, sich taufen zu lassen, und nach erfolgter Taufe erließ er ein Edict, das jeden mit Strafe bedrohte, der in Hinkunft im Scherz oder im Ernst dem Getauften sein Judentum vorwerfen würde. Nun wurde Jacob übermütig, auf die Christen ging er wie ein wildes Tier los, um sie schwer zu schädigen, während er seine jüdischen Volksgenossen, unter denen er sich beständig aufhielt, mit der größten Freundlichkeit und Güte behandelte, wie einer, der lieber zu den Beschnittenen als zu den Getauften gehören wollte. Die Hofleute empfanden es als Schmach, daß ein Jude am Hofe eines Fürsten den Christen im Rang vorgehe, und machten sich daran, Jacob genau zu beobachten. Und da ertappten sie ihn einmal, wie er in der Nacht in der Synagoge, die jüngst in eine Kirche umgewandelt worden war, den Altar, den Bischof Hermann geweiht hatte, mit eigener Hand zertrümmerte und die heiligen Reliquien mit Füßen trat. Er wurde sofort gefesselt und am nächsten Morgen dem Fürsten vorgeführt. Mit kläglichen Worten flehte er um Barmherzigkeit und bot außerdem dem Herzog alle seine Schätze an, nur damit er am Leben bleibe. Es wurde der Befehl erteilt, ihn im Kerker festzuhalten, bis die übrigen Juden 100 Pfund Gold und 3000 Pfund Silber erlegten. Darauf wurde er aus dem Lande geschafft." Es ist auf den ersten Blick zu sehen, wie stark diese Erzählung von Cosmas, aber auch von Häjek abweicht. Der