Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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21 erzählt, daß ein sehr reicher Jude auf dem Aujezd in Prag gewohnt habe, daß er dort nicht nur ein stattliches Haus, sondern auch eine eigene Synagoge hatte, und zwar genau an der Stelle, wo jetzt (d. h. zur Zeit Häjeks) das Kloster zu St. Maria Magdalena steht; daß dieser Jude ein großer Zauberer war, sehr stolz, jedoch dabei sehr zudringlich gegen Herzog Wladislaw, indem er gewöhnlich unmittelbar hinter ihm ging, oder wenn der Herzog bei Tische saß, hinter seinem Stuhle stand; daß er es sehr schwer trug, daß er als Jude nicht in den geheimen Rat (!) Aufnahme finden konnte, und daß er deshalb dem Herzog mitteilte, er wolle sich taufen lassen. Er versprach ihm ein herrliches Festmahl (!), wenn er sein Taufpate sein wolle, und erklärte sich bereit, seine Privatsynagoge zu einer Kapelle zu Ehren der heiligen Maria Magdalena umzuwandeln. Die Taufe erfolgte am Tage des Apostels Jacob, deshalb wurde ihm der Name Jacob der Beschnittene (!) gegeben. Dann begann er im Vertrauen auf seinen Reichtum und auf seine Zauberkünste die böhmischen Herren beim Fürsten zu verleumden, um dadurch sein erster Ratgeber zu werden. Und ebenso bemühte er sich auch durch listige Ratschläge, die Juden emporzubringen und die Christen zu verderben. Er zeigte sich zum Scheine als Christ, blieb aber dem jüdischen Aberglauben treu, indem er am Sonntag arbeitete und den Sabbat heiligte, und indem er am Freitag und Sabbat Fleisch aß: so beobachtete er beide Gesetze. Als dies den Herren bekannt wurde, verabscheuten sie ihn, und wollten ihn unter keinen Umständen in den fürstlichen Rat zulassen. Was hinwiederum Jacob sehr erboste, sodaß er, bevor noch ein Jahr seit seiner Taufe vergangen war, eines Nachts in seine Kapelle ging, den vom Bischof geweihten Altar zertrümmerte usw. Also eine Fülle neuer Nachrichten über Jacob. Hat Häjek, der im 16. Jahrhundert zur Zeit Ferdinands I. seine Chronik geschrieben hat, neue uns unbekannte Quellen über Jacob, der 400 Jahre vorher gelebt hatte, benützen können? Die Frage wird den Kennern der böhmischen Geschichte sonderbar erscheinen. Aber nicht alle Leser dieser Schrift sind Historiker von Beruf und mit der Quellenkunde der böhmischen Geschichte vertraut. Vielleicht sind auch manche durch den Umstand irregeführt worden, daß ein angeblicher Fachmann, F. Dworsky, dieses Kapitel aus Häjek in die Sammlung von Quellen zur Geschichte der Juden in Böhmen aufgenommen hat.11a) Daher wird es nicht überflüssig sein, zu sagen, daß