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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 23

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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20 den er anhaucht. Von ihm bezeugen auch sehr viele wahrheitsliebende Menschen, daß oft der Satan in menschlicher Gestalt an seiner Seite gesehen worden ist, wie er sich ihm gehorsam zeigte. Durch seine Künste trieb er ihn zu einer solchen Verwegenheit, ja Unvernunft, daß der schändlichste Mensch (Jacob) sein Maß überschritt und nach dem Herzog das Amt seines Stellvertreters (vicedominus) verwaltete; das war für das christliche Volk ein großes Chaos. Dieser selbe Mensch, nach der Taufe abtrünnig, zerstörte in der Nacht den Altar, der in ihrer (der Juden) Synagoge errichtet und geweiht war, nahm die heiligen Reliquien und scheute sich nicht, sie in seine Kloake zu werfen. Einen solchen gottlosen Verbrecher nahm der fromme Herzog Wladislaw im Eifer für Christus am 11. Tage vor den Kaienden des August (22. Juli) fest und befahl, ihn in einem engen Gefängnisse zu halten. Ach, wieviel unrechtmäßiger Reichtum wurde aus dem Hause dieses Betrügers weggeführt und in den Schatz des Herzogs gebracht! Außerdem erlegten die Juden, die gleichen Verbrecher wie er, dem Herzog 3000 Pfund Silber und 100 Pfund Gold, damit dieser Bastard nicht mit dem Kopfe büße. Daß aber der Herzog, angeeifert durch die Gnade Gottes, die christlichen Sklaven von allen Juden loskaufte und ein Verbot erließ, daß in Hinkunft kein Christ ihnen diene, dazu sage ich amen, amen. Was immer er jemals begangen hat, alles hat er mit dieser löblichen Tat ausgetilgt und sich einen unsterblichen Namen erworben. O Magd Christi, fromme Maria Magdalena, immer bringt dir das fromme Volk seine Gelübde dar, denn an deinem Feste (22. Juli) wurde es von dem bösen Feind befreit." Nach dieser Schilderung erscheint die Persönlichkeit Jacobs phantastisch wie in einem Märchen: ein Jude im Bunde mit dem Teufel, von unheimlicher Macht im Lande, dann plötzlich wie in den tiefsten Abgrund geschleudert — man sollte glauben, daß eine solche Figur im Gedächtnis des Volkes geblieben wäre. Vielleicht ist dies auch durch eine Zeit hindurch so gewesen, dann verschwindet jede Erinnerung an ihn, das sieht man an der böhmischen Reimchronik des sogenannten Dalimil, die zu Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden ist, und Jacob gar nicht erwähnt.10) Erst im 16. Jahrhundert taucht er wieder auf, in einem bekannten Werke, in der böhmischen Chronik des Wenzel Häjek von Libocan. Hier ist der Geschichte Jacobs ein ganzes Kapitel gewidmet,11) und wir erfahren viel mehr als von Cosmas. Häjek

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