Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2644300-2644303--0479-2644821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

19 erschien, es unterließ, seine Beschuldigung zu begründen." Für den Kirchenfrevel Jacobs findet Novotny das Motiv, daß die „eigene Erhebung (d. h. das Aufsteigen Jacobs zum hohen Amte eines Vicedominus) ihm unerträglich erscheinen ließ, was er für eine Schmach seiner Glaubensgenossen hielt" (nämlich den christlichen Altar in der jüdischen Synagoge). Es sei schließlich noch Caro8) genannt, der die Angaben von Cosmas als parteiisch gefärbt und ganz unklar bezeichnet. „Es müssen eigentümliche Verhältnisse in Prag", so sagt Caro, „obgewaltet haben. In der Synagoge befand sich ein, vermutlich 1096 errichteter, christlicher Altar mit Reliquien. Der wurde eines Nachts zerstört, darob entbrannte der Glauhpuseifer des Herzogs, er ließ Jacob gefangen nehmen und sein Vermögen konfiszieren. Um das Leben des „Kirchenschänders4' zu retten, zahlten die Juden 3000 Pfund Silber und 100 Pfund Gold." Das heißt so viel: Caro bezweifelt nicht, daß der christliche Altar in der Synagoge zerstört worden ist, aber er bezweifelt, daß Jacob der Täter gewesen sei. Damit ist das Bild verschoben und es wäre die Frage zu beantworten, weshalb wurde Jacob verurteilt? Bei diesem Sachverhalt braucht es keine weitere Begründung, daß dieses Thema, die Geschichte des jüdischen Vicedominus Jacob hier neuerlich behandelt wird. Indem der Bericht von Cosmas Punkt für Punkt untersucht wird, können die einzelnen Tatsachen festgestellt, und der Geschichtsschreiber bei seiner Arbeit beobachtet werden. Die Untersuchung zeigt uns, was er erzählt und was er verschweigt, und sie gibt uns auch einen Einblick in die sozialen und rechtlichen Verhältnisse der Juden in Böhmen. Es ist ein Stück ihrer Geschichte, die noch nicht geschrieben ist. Da die folgenden Blätter auf jede Einzelheit in dem Berichte von Cosmas sich beziehen, muß sein Wortlaut hier mitgeteilt werden:9) „In demselben Jahre (nämlich 1124) hat die Kraft und Weisheit Gottes, der alles, was besteht, nach seinem Willen lenkt, dieses kleine Land (Böhmen) vom Fallstrick des Satans und seines Sohnes Jacob, des Beschnittenen, gerettet. Was seine (Jacobs) schwarze Hand berührt, besudelt er, und der Atem seines Mundes, stinkend wie der eines Basilisken, tötet jeden,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.