Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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18 genauer berichtet, worauf dieser Einfluß beruhte; er schildert nur im Allgemeinen seinen Charakter in den häßlichsten Farben". Die Tat Jacobs (Zertrümmerung des Altars) sei daraus zu erklären, daß seine Macht ihn verblendet habe. Eine ganz andere Darstellung finden wir bei B a c h m a n n.4) Er spricht von einem jüdischen Wechsler Jacob, der bei Herzog Wladislaw in solchem Ansehen stand, daß er eine geradezu vicekönigliche Gewalt besaß (vicedominus). Durch seine geschäftliche Tätigkeit habe er seinen Sturz herbeigeführt. „Nur imgern entschloß sich der Herzog", sagt Bachmann, „den tüchtigen Pfleger seiner fiskalischen Interessen fallen zu lassen". Der jüdische Wechsler, der durch seine geschäftliche Tätigkeit seinen Sturz herbeiführt — davon steht bei Cosmas nichts, sondern daß der Vicedominus Jacob wegen des Kirchenfrevels verurteilt worden seL Man sieht, Bachmann hat die Erzählung von Cosmas, dem er;,Zelotismus" vorwirft, für unglaubwürdig gehalten. Auch Bretholz5) hat sich gegen Cosmas ausgesprochen, sein Bericht sei unklar und widerspruchsvoll. Nach der Darstellung von Cosmas sei Jacob, der vorher bis zum Rang eines Vicedominus aufgestiegen sei, wegen vieler Schandtaten und lasterhafter Lebensführung festgenommen worden, dann hätten die übrigen Prager Juden dem Herzog eine große Summe Geldes bezahlen müssen, damit Jacob die Todesstrafe erlassen werde. „Wieso es aber kam", heißt es hier, „daß die Prager Judenschaft zu solchen Opfern für Jacob sich entschlossen hat, der nach Cosmas' eigener Erzählung sogar die Synagoge entweiht und die jüdische Eeligion geschändet haben soll, bleibt unaufgeklärt, ebenso die Frage, auf welche Weise Jacob zu solcher Macht gelangen konnte. Sicher steht nur", betont Bretholz, „daß damals eine der zeitgemäßen Judenverfolgungen stattgefunden hat." Die Darstellung von Bretholz ist von N o v o t n y6) bekämpft worden. Von einer Judenverfolgung in Prag könne man nicht sprechen, ebensowenig von einer Entweihung der jüdischen Synagoge, das sei ein Mißverständnis, Cosmas sage ausdrücklich, daß es sich um die Entweihimg eines christlichen Altars handle. Über Jacob bemerkt Novotny, daß er der oberste Beamte7) des böhmischen Herzogs gewesen sei, wohl durch seine finanzielle Macht habe er großen Einfluß erlangt und ihn mißbraucht, „obwohl der befangene Chronist" (das ist Cosmas), „dem Jacob als der verkörperte Teufel