Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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17 Der Sturz des Vicedominus Jacob (1124). Von Samuel Steinherz. Unter den spärlichen Nachrichten, die uns über die ältere Geschichte der Juden in Böhmen erhalten sind, ist eine besonders merkwürdig: daß im 12. Jahrhundert zur Zeit des Herzogs Wladislaws I. (1109—25) ein Jude namens Jacob das höchste Amt im Lande, das Amt eines Vicedominus erlangt habe, weil er mit dem Teufel verbündet gewesen sei. Getauft und dann wieder vom Christentume abgefallen, habe er im Jahre 1124 ein schweres Verbrechen begangen, indem er eines Nachts den (christlichen) Altar in der jüdischen Synagoge zertrümmerte und die darin verwahrten Reliquien verunehrte. Darauf sei er am 22. Juli verhaftet und sein Vermögen eingezogen worden. Um ihn vom Tode zu retten, hätten die Juden eine große Summe als Lösegeld erlegt, worauf der Herzog alle christlichen Sklaven von den Juden loskaufte und ein Verbot erließ, daß in Hinkunft nie wieder ein Christ bei Juden dienen dürfe. Das ist in Kürze die Erzählung von Cosmas,1) der während dieser Vorgänge in Prag gelebt hat. Er ist also gewissermaßen Augenzeuge gewesen, aber die sonderbaren Dinge, die er berichtet, das Bündnis Jacobs mit dem Teufel, sein Aufstieg zum höchsten Amte, obwohl er ein Jude war, der Kirchenfrevel, den er verübte, das alles hat mehr oder minder Mißtrauen hervorgerufen. Es ist bemerkenswert, daß Pa- 1 a c k f2) die ganze Erzählung von Cosmas mit Stillschweigen übergangen hat. Dagegen hat Tomek3) sie im Großen und Ganzen übernommen. Am Hofe Wladislaws I., schreibt er, habe ein getaufter Jude namens Jacob so großen Einfluß erlangt, daß er, wie Cosmas angebe, nach dem Fürsten ebensoviel Macht ausgeübt habe als sein Stellvertreter (vicedominus). „Es ist schade", sagt Tomek, „daß Cosmas nicht t