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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 18

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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15 ist. Eine Biographie Cyrills weist auf intensivere Beziehung dieses Slavenapostels zu Juden hin. Safank machte Steinschneider aufmerksam. Auch in Rußland hat man jener Stelle Aufmerksamkeit geschenkt, welche von einer Religionsdisputation von den Chasaren handelt Historiographisch blieb die Sache ungeklärt. Soziologisch sind andere wesentliche Beziehungen anzunehmen, als Religionsdisputation, auf welche die Quellen verweisen — welche von den Chazaren handeln. Wenn es überhaupt solche Stritte gab und wenn die jüdische Chasarenbekehrung in der überlieferten theatralischen Weise stattgefunden haben sollte, so kann dies nicht der Hauptakt gewesen sein. Nach der Katastrophe Jerusalems hat sich der historiographische Charakter des Judentums in einen geographischen verwandelt. (Auch das europäische Raumentdeckungs-Zeitalter beginnt mit der Relativisierung des absoluten mittelalterlichen Gegenwartsgefühles.) Das relativisierte biblisch-jüdische absolute im Kultus verankerte Gegenwartsgefühl läßt sich schwer mit einer Missionspsychologie in Verbindung bringen. Wohl aber mit einer Botschafts-Soziologie. Slavische und deutsche Juden der Cyrillzeit leisten interkulturelle Botschafterdienste. Sie regen sie höchstwahrscheinlich an. Denn als Weltreisende haben sie einen entwickelten Sinn für Traditionsausdruck. Dieser Dienst wird im Westen entbehrlich. Durch die Weltorganisation der Kirche. Die festgewurzelte slavische Diaspora muß vor der Kirchenorganisation von der weltverbundenen Diaspora des Judentums in ihrem Zusammenhange erkannt worden sein. Die geographisch eingestellten Juden sind geborene Berichterstatter sowohl für den Chasarenkönig als auch für das Slavenapostolat. Auch so bleibt die Judaisierung der Chasaren erklärlich. Gruppen, die sich isoliert fühlen, kommen dem isolierten Judentume seelisch nahe. Eine Soziologie des Abrahamitismus wäre lehrreich. Da die Chasaren eine uneinreihbare Gruppe waren, kommt die religiöse Isolierungspsychologie als Grundursache der Bekehrung zum Judentume in Frage. Insbesondere weil die Chasaren entweder in den christlichen oder mohammedanischen religiösen Weltfriedensbund eintreten wollten, konnten sie weder das eine noch das andere ohne fatale Unfriedenswirkungen von einer Seite erlangen. Das war

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