Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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14 Es wird eine menschenverändernde Logik der Geschichte fühlbar. So war es in den Prerikleischen Zeiten. Man sucht einen Träger dieser zweiten Logik, welche so unbegreiflich ist, daß sie uns dämmerhaft erscheint. Das führt zu unerhörten Anklagen. In Sokrates Zeiten gegen jedermann, der auffällig wird. In den Zeiten des Mittelalters gegen die Juden. Solche Anklagen führen zum Kriege. So klagte man zu, Zeiten ben Bezaleles und das ganze Kollegium der Rabbiner mußte den Anklagewahn bannen. So klagt später nach der Sabbathäischen Zeit der Hamburger Rabbiner Emden den mährischen Einbenschütz. Das ist eine Dreyfusiade des westlichen puritanischen Rabbiners gegen den Rabbiner, welcher aus Osten kommt, und welcher den Frauen gegenüber auf kabadalistische Gebräuche nicht verzichtet Diese Affäre, welche das ganze Judentum und die dänische Regierung in Wallung brachte, bot dem Prager Judentum Gelegenheit zu einem reifen Worte zu rechter Zeit mit Sympathien für den puritanischen Westen und mit Begreifen der Ost-Symbolik. Aber aus Prag strahlten bereits mehr die Legenden von Wundern ben BezaJels, als davon, was das Buch des David Gans bezeugt, daß man hier Wirklichkeitssinn und Autokritik als einen neuen Geschichtsfaktor einführen wollte. Dieser Versuch wurde im siebzehnten Jahrhundert in der bedeutendsten Weise durch Komensky übernommen. In dieser Periode beherrscht der Messianismus die allgemeine Stimmung Europas. Althusius, der Lehrer Komenskys, berechnet und kündet den neuen Advent der Geschichte. Im Osten werden die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit durch Sabbatailehre überschritten, der als jüdischer Messias überall Jünger findet. Auch Komensky kündet den großen Sabbat der Geschichte und seine Pansophie soll eigentlich die Wachsamkeit aller für die Stimme der entscheidenden Augenblicke vorbereiten. Das wirkte über Herrenhut auf Herder und Lessing (und indirekt auf Mendelssohn). Geistliche und säkuläre Bildimg vereinigen sich zum Postulate der vollen inneren Vorbereitung oder Erziehung. Das wollte aber auch in einer durch das Ghetto verengten Weise David Gans. Und das weist ihm seinen Platz an. Es ist noch zu fragen, wie groß die seelische Distanz zwischen David Gans und den slavischen Juden der Cyrillzeit