Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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13 Zwar scheinte es also, als ob mit der Sabbatnorm an Sachen der Könige und Völker zu denken, Benaissanzehäude in die Geschichte eingreifen würden. Aber die Stimme ist die Stimme Jakobs. Für Macchivalli ist das Denken über die Sachen der Könige, ein Suchen im Reiche der „Gelegenh e i t" für I s s e r 1 eine Contemplation über die Welt, welche noch immer geschaffen wird. David Gans will aber den Wirklichkeitssinn stärken, um eine Abwendungseinstellung auszulösen. Darin war David Gans ein selbständiger Schüler ben Bezalels. Der Prager hohe Rabbi recipiert für das Judentum die Gegenwart in ihrem räumlichen Sinne. Nicht Zerstreuung bedeutet es für ihn, daß die Juden an allen Orten wohnen. Er wertet das als jenen Äquivalent, welcher die Erniedrigung des Antisemitismus ausbalanciert. Der Antisemitismus bedeutet aber für den Bezalel eine Elementarisierung der Geschichte. Die Juden haben die religiöse Pflicht, kein Glied in der Elementarisierung zu werden, welche sich fortzeugt. Im Namen einer Gegenelementarisierung begründet David Gans seine Chronik in einem kurzen Nachworte. Gottl Lilienfeldt hat eine umfangreiche Studie über die Grenzen der Geschichte geschrieben. Die jüdische Geschichtsschreibung bietet besonderes Material. Und der Standpunkt des David Gans ist besonders interessant. Er unterscheidet zwischen dem Eingriff in die Welt der U rsachen und Folgen und zwischen der Einstellung der Fatalität und Abwendung. Gans bleibt nicht beim Dilema stehen, ob man dem Bösen widerstehen oder nicht widerstehen wolle. Er kennt die dritte Möglichkeit „Steuern". Durch eine gesteigerte Deselementarisation des eigenen Lebens in einer Periode der gesteigerten Elementarisation der Geschichte. Die Prager Erfahrungen von der Elementarisierung der Geschichte waren anderer Art, als die polnischen. Dort handelte es sich um Sabbatextasen. Ein Episode aus dem Leben ben Bezalels deutet an, daß es sich in Prag um den Anklagewahn gehandelt habe, eine soziologische Erscheinimg, welche auch gewisse innere Formen des Antisemitismus begreiflich macht. In gewissen Zeiten wird die Machtlosigkeit der menschlichen Logik fühlbar, welche die Geschichte verändern will.