Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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5 Das Gegenwartsgefühl indiziert unter anderem bis wohin man darin gelangt ist. Es ergeben sich daraus drei Grundformeln vom Judentum. Die Westliche : Die Frömmigkeit hat die Macht des Bösen gebunden. Die Staaten erschließen die guten Möglichkeiten. Die östliche: Das Aktuelle wirkt. Das Potentielle wird schaffen. Die mitteleuropäische Formel: Die Geschichte erweitert die Grenzen des Fatalen. Welche Grenze ist überschreitungsfähig geworden? Variationen und Kombinationen sind entstanden. Wie kombinierten und variierten einander die Motive der Erschlossenheit, Unerschlossenheit und Begrenztheit? Man wird eigentlich der Frage nachgehen müssen, inwieweit sich Ost- und Mitteleuropa im Judentume etwa so zu einander verhalten wie etwa Michiewicz und Solovoj e v zu M a s a r y k. Das ist aber eine Frage, deren Klärung tiefer als es ein Präludium erlaubt, in Andeutungen dringen müßte, welche Masaryk selbst über den slavischen, hauptsächlich polnischen Messianismus gibt. Indessen können die Variationen und Verwebungen der westlichen Intellektualität mit der östlichen Vitalität und der mitteleuropäischen Verbindung kurz an diesem Schema dargestellt werden. Hegel stellt Erschlossenheit als das Erreichte hin. Der erschließende Staat, das erschließende Bewußtsein ist erreicht. Es wäre festzustellen, inwieweit diese für das Gegenwartsgefühl Hegels charakteristische Gewissenheit des Erreichten, des Topischen bei dem Hegelianer der ersten polnisch-jüdischen Aufklärungszeit Nachman Krochmal vorhanden sei. In der Lehre vom Volksgeiste erschließt sich Krochmal nur noch als der philosophische Übertan zum alten Prophetensatz von den Völkern und dem Judentume. Jedes Volk hat seinen Gott, seinen Volksgeist, seine Dimension zum Göttlichen,