Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 441

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 441 (sequence 444)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2644300-2644301--0445-2644786
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

441 Am Dienstag 19. Tamus bekam ich diesen schrecklichen Bericht, der mir ärger war als alles bisher Widerfahrene; ich wurde zwar vom Arreste befreiet, die Bürgschaft für mich wurde angenommen, aber ich stand da vom Vermögen ganz entblößt, ohne Einkünfte, der Welt zur Schande. Dank sei dem Ewigen, der mir Kraft und Standhaftigkeit gab, dies alles auszuhalten. Es wurde mir auch erlaubt, meine verfaßten Bücher zu verkaufen, nur einige Wörter darin, die Bezug hatten auf Nichtjuden umzuändern. Ich reiste nach Prag zurück und erfuhr daselbst, woher mir das zugekommen und wer daran Schuld war. Am Donnerstag 3. Tischri 5390 ging ich zu demselben großen Mann, der beim Kaiser bewerkstelligt hatte, mir die Rabbinerstelle abzunehmen, und klagte ihm meine gegenwärtige Not und bat ihn, gütigst mir diese Stelle wieder zu verschaffen. Er antwortete, die mir auferlegte Geldstrafe war ihm ganz zuwider, aber in Betreff der Rabbinerstelle war er selbst einstimmig, weil ich mich vor dem Fürsten von Lichtenstein, Statthalter zu Prag, berühmt habe, ihn in einer Religionsdisputation besiegt zu haben. Ich bewies ihm aber, daß, als ich als Rabbiner von Wien nach Prag reiste, der Fürst Lichtenstein schon längst tot war. Er sah meine Rechtschaffenheit ein, sprach aber, daß er mir wegen der Rabbinerstelle zu Prag nicht helfen kann, sein Haus steht mir frei zu jeder Zeit, wann ich kommen will, er wird mir andere Nahrungsmittel an Hand geben; ich aber antwortete, daß ich nichts anderes gelernt habe als dieses Amt zu bekleiden. So sagte er zu mir: „Es sind mehrere Städte im Kaisertume, wo Juden sind, so werde ich euch dort zu einer Rabbinerstelle behilflich sein;" so antwortete ich, vermög meinen jetzigen Ausgaben könnte ich nirgends die Einkünfte haben; er sagte: „Geduldet Euch, es wird schon alles besser werden." Ich wurde aber vor Ärgernis und Sorgen am Tage vor dem Versöhnungsfeste krank und mußte drei Wochen lang im Bett bleiben. Nun meine lieben Kinder! Da ich nachgesucht habe in meinen Schriften, fand ich darin eine Geschichte von einem großen mächtigen Mann, der auch ein Weiser im Gesetze und in anderen Wissenschaften war; er war auch Einer von den Q^Jpnjö> die zu befehlen und zu gebieten haben in den drei Kreisen Polens, sein Name war R. Pinchas Halewi von der Familie Horwiz in Prag, dieser erzählte: „Einmal war ein kaiserlicher Befehl in Prag, daß man am 5. Tamus alle Bücher der Juden verbrennen soll, also habe ich den Gelehrten derselben Zeit einen Fasttag auferlegt, und die Sache genau nachgesucht und nachgeforscht, ob der Befehl vom Himmel ausgegangen ist; da hat man mir im Traume diese Worte geantwortet: 'X^J-Q mittl Tptl flltK Und diese rPHD *n derselben Woche; also haben die Weisen den Traum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.