Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 441)
- Language
- German
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438 möchte dem Rabbiner nicht so schimpflich begegnen; der tOBItS? *©^p war zufrieden und sagte, er wolle die ganze Nacht hier bleiben, bis sie mit Antwort zurückkommen. Also wurden abgeschickt R. David Luria und H. Heni Weisels. Der Oberstburggraf wohnte auf der Kleinseite, er schlief schon und das Haus wTar gesperrt; sie klopften so lange bis ihnen der Kammerdiener öffnete, sie baten ihn inständig, den Herrn zu wecken, sie haben sehr notwendig mit ihm zu sprechen; er nahm ein brennendes Licht, ging vor dem Bette des Herrn hin und her, bis er erwachte, dann sagte er ihm, daß die Herren Vorsteher der Judengemeinde da wären, und vorgeben, sie hätten nötig, mit ihm zu sprechen; er ließ sie vorkommen. Bei ihrem Eintritte fielen sie auf ihr Knie, baten flehentlich, er möchte dem unterstehen, daß man den Rabbiner nicht gefesselt nach Wien führen soll, es wäre den Judengemeinden in allen Ländern eine große Schande, und die Feinde möchten sich freuen und denken, wer weiß was er begangen hat, und dem Kaiser wäre selbst nicht lieb dabei, daß seine Untertanen auf diese Art beleidigt werden sollten, er soll ihn frei nach seinem Gefallen ohne Bedeckung nach Wien reisen lassen, sie sind Bürge für ihn, daß er zur bestimmten Zeit in Wien eintreffen wird, und vor welcher Instanz es sei, sich stellen wird. Der Oberstburggraf befahl seinem Kammerdiener, den Vorstehern den Brief des Kaisers zu zeigen, und ihnen befehlen, den Tag nachher um Antwort zu kommen, und diese Nacht müssen sie für den Rabbiner haften, daß er nicht entfliehe. Die Vorsteher kamen zurück und brachten dem ^jj^ *"lD^p Antwort; er reichte einem jeden von uns die Hand, tröstete mich mit den Worten: „Es wird schon besser werden," und fuhr nach Hause. Tags darauf gingen die Vorsteher mit dem tßß^p *lD**p zum Oberstburggrafen und mußten die Kaution legen, mit Gut und Leben dafür stehen, daß der Rabbiner binnen sechs Tagen in Wien eintreffen und vor dem Kanzler stehen wird. Am Dienstag den 5. Tamus reiste ich mit R. Heni nach Wien ab, wir langten daselbst den Sonntag nachher, den 10. Tamus an. Wir gingen gleich zum Kanzler, trafen ihn aber nicht zu Hause an. Tags darauf haben wir uns gestellt, er redete mich im Namen des Kaisers sehr hart an wegen der zwei Bücher, die ich verfaßt habe ^Stt ^"TJJIÜ und riYTittn cnS auf den iiMt daß ich darin ^e^en den christlichen Glauben geschrieben hätte. Ich verteidigte mich und sagte, daß sowohl der Talmud, als alle nachher verfaßten Bücher bloß eine nähere und deutliche Erklärung der mosaischen Gesetze seien, und was darin von den fremden Nationen vorkömmt, beziehet sich bloß auf die