Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 437 (sequence 440)
- Language
- German
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437 Am Montag den 4. Tamus 5389 gegen Abend, wie man eben in die Synagoge hätte gehen sollen, kam jemand zu mir und sagte, daß der tDfiltP ID^p (so nannte man damals die Staatsperson in Prag, den Sekretär des Oberstburggrafen) ihn gefragt hätte, ob er vor den Rabbiner vorkommen könnte, er hätte mit ihm von wichtigen Dingen zu sprechen, so gab er ihm zur Antwort: „Wenn Ihro Gnaden wünschen, so wird der Rabbiner zu Ihnen kommen." Er sagte aber: „Nein, ich will zu ihm hingehen." Ich war sehr erschrocken, ging in die Synagoge und führte mit mir nach Hause die Herren Vorsteher, aus Vorsorge, daß, im Falle ich arretiert werden sollte, so könnten sie für mich gutsprechen. Indem kam der TD^p gefahren und stieg ab bei einem Juden, der mir gegenüber wohnte, blieb ungefähr eine Stunde dort, und als es recht finster ward, kam er zu mir. Da er mich sehr in Ehren hielt, ließ er sich anmelden, ob er vortreten kann; bei mir saßen die Herren Vorsteher, wir bejaheten es. Bei seinem Eintritte reichte er einem jeden von uns die Hand und sprach: „Wenn Ihr was zu reden habt, so will ich indessen abtreten;" wir verneinten es. Er nahm sich selbst einen leerstehenden Stuhl, setzte sich zu uns und sprach lange mit uns von verschiedenen Neuigkeiten. Dann sagte er zu mir, ob ich wollte mit ihm in ein besonderes Zimmer gehen, er hätte etwas heimlich mit mir zu sprechen. Ich ging mit ihm in mein Studierzimmer, er setzte sich zu mir, und sagte, daß es ihm sehr leid wäre, mich so sehr in Schrecken und Furcht zu setzen; der Kaiser habe an den Prager Oberstburggrafen geschrieben, er möchte mich gleich arretieren lassen, fesseln und gut bewacht nach Wien schicken. Dann sagte er, ich soll mit ihm in seiner Karosse zum Herrn Bas-Schewa fahren; ich lehnte es aber ab, weil ich fürchtete, er möchte mich gleich in Arrest führen, sondern sagte, ich werde zu Fuß hingehen. Mir zu Ehren ging er auch zu Fuß und die Herren Vorsteher mit. Als wir zum Herrn Bas-Schewa kamen, wollte er nicht anders als zu meiner Linken sitzen. Nachher sagte er zum Herrn Bas-Schewa, er möchte mit ihm in ein besonderes Zimmer gehen. Daselbst sagte er zu ihm, daß der Kaiser befohlen hat, den Rabbiner uuversäumt und unverhört nach Wien zu schicken, im Falle er sich weigern sollte, ihn gefesselt und gut bewacht dahin zu schicken; „daher hat mich der Oberstburggraf um ihn geschickt, ihn zu ihm zu bringen., und dort sind die Fesseln in Bereitschaft, um ihn noch heute Nacht nach Wien zu schicken, ich will es aber dem Herrn Rabbiner nicht so deutlich sagen, er möchte zu sehr erschrecken, und ich liebe ihn zu sehr." Über diese Nachricht erschrack der Herr Bas-Schewa sehr, und bat den Herrn tDfilB? *)D%p' er möcn^e s*cn nicht übereilen, er will zwei Vorsteher zum Oberstburggrafen schicken, und ihn ersuchen lassen, er