Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 439)
- Language
- German
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436 Im Jahre 5385 im Monate Sivan, wurde ich zum Oberrabbiner in Nikolsburg in Mähren erwählt; im selben Jahre im Monate Adar wurde ich zum Qberrabbiner in Wien in Österreich erwählt. Zu meiner Zeit hatte der damalige Kaiser Erlaubnis erstattet, daß die dort zerstreuten Juden in der Vorstadt, eigene Häuser und eine Synagoge bauen durften, ich machte ihnen viele Einrichtungen und war gottlob sehr beliebt bei ihnen. Im Jahre 5387 wurde ich wieder als Oberrabbiner nach Prag berufen; obwohl die Wiener mir viel Zulage versprochen hatten, so konnte ich doch nicht meiner Begierde widerstehen, die Stadt, wo ich meine Jugendjahre zugebracht hatte, wieder zu sehen; ich reiste also von Wien in zahlreicher Begleitung von den angesehensten Männern, und mit großen Geschenken belastet, ab. Und die angesehensten Männer Prags »kamen mir eine Strecke Weges entgegen, ich langte in Prag im Monate Nissan desselben Jahres an. Ich verfaßte daselbst noch zwei Bücher, nämlich tffrifcn Br|i> und 2® a^ nP^O auf DHltt JTOTK- Dieses Alles erzähle ich nicht, um mich damit zu prahlen, sondern anzuzeigen, daß, so wie ich stufenweise aufwärts stieg, ich auf einmal herabgestürzt wurde, wie es den Israeliten in Jerusalem erging, Stolz von Himmelshöhe in tiefen Abgrund hin. So ging es leider mir! Gott sei gedankt und gelobt für Alles. Zur selben Zeit brach ein Krieg aus, der zehn Jahre lang gedauert fiatte. Die Studenten zu Prag nämlich widersetzten sich dem damaligen böhmischen König Matthias und dem Kaiser Ferdinand. Sobald der König Matthias mit dem Tode abging, erwählten die Parteien den Pfalzgrafen zum König, der Kaiser Ferdinand überzog Böhmen mit 90.000 Mann, eroberte Prag, jagte den neuen König vom Throne. Durch diesen Krieg nahm die Nahrung ab, die Teurung nahm überhand, die Juden mußten viel Kriegssteuer geben, und da ihr Vermögen nicht hinreichend war, so mußte man Geld aufnehmen gegen Interessen, dadurch entstanden große Streitigkeiten, die besten Freunde wurden Feinde; je mehr ich mir Mühe gab, die Parteien gütlich zu vereinigen, so blieb alles fruchtlos, sogar gegen meine eigene Person hatten sich einige verder Kluge verbirgt den Verdruß innerlich, darum eben mag ich diejenigen Personen nicht nennen, die sich an mir vergriffen; ich meinerseits verzeihe es ihnen, Gott möge ihnen diese Sünde auch verzeihen. Israels schworen. Der weise König Salomon