Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 417)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2644300-2644301--0418-2644759- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
413 aus dem Munde des Predigers anzuhören, dieser folgt die Verrichtung eines Gebetes. In meinen Augen ist diese Einführung nicht richtig, muß man doch bei der Abhaltung dieser Rede sehr vorsichtig sein, darf ja auf dem Friedhofe nur vom Tode und der Vergänglichkeit gesprochen werden,27) wie in dem Gebete der Brüderschaft für ein solches Vergehen um Verzeihung gebetet wird. Ich selbst war stets bestrebt, nie von andern Dingen als vom Tode zu sprechen. Ich weiß aber nicht, wer nach mir kommen und ob er auch darauf achten wird. Darum möchte ich vorschlagen, daß die Predigt in der Zeremonienhalle28) abgehalten werde, bevor die Beerdigungsbrüderschaft den Friedhof betritt, nach derselben sollen sie die Gräber besuchen und alsdann das oben erwähnte Gebet verrichten. Wohl hatte ich bei Lebzeiten schon die Absicht, diese Einrichtung zu treffen, allein mein Zeuge im Verborgenen weiß, daß ich gefürchtet, man könnte mich der Beleidigung meiner Amtsvorgänger zeihen, das Andenken der Frommen zum Segen, wodurch es leicht zu Streitigkeiten hätte kommen können; der Verständige wird es verstehen. Mögen sie meine Anregung dem Gaon,29) dem Landesrabbiner und andern ausgezeichneten Rabbinern zur Begutachtung vorlegen; alle werden sagen, Wahrheit hat diesen Mann erfaßt, gut hat er gesprochen und darauf stütze ich mich. 7. Auf noch Eines richtet sich mein Augenmerk, den Vornehmen Mitgliedern der Brüderschaft will ich zu Herzen reden und ich hebe an und spreche: Achtet auf meine Worte! Seit Jahren traget ihr die Redensart auf der Zunge, es sei mein Herz nicht vollständig mit euch. Fern sei es von euch solche Worte im Munde zu führen. Dem ist nicht so! Lieb seit ihr in meinen Augen, gesegnet von Gott, weil ihr Liebe übet gegen Lebende und Verstorbene. Doch gerecht war mein Zorn, weil ihr nicht gehört auf meine Stimme und auf jene gehört, die euch verleitet mein Gebot zu übertreten. Seit Jahren habe ich beim Frühgottesdienst80) den Aufruf31) Acharon32) verboten, im Notfalle nur dürfe man davon Gebrauch machen. Ihr aber habet dies ohne zwingenden Grund gethan, um den Mehrerlös aus dem Verkaufe für das alljährliche Brudermahl zu verwenden. Wozu diese Torheit? Warum lasset ihr euch von händelsüchtigen Leuten verleiten, um das Verbot eures Lehrers zu übertreten? Nun ist ja das Vergangene vorüber, ich verzeihe, möge auch Gott Gutes geben, verzeihen, vergeben! Doch die Zuknuft ist noch vor euch, leget meine Entscheidung den großen Lehrern vor, jene wissen, was auch ich weiß, werden euch lehren, was gut und recht und zu thun, wie ich gelehrt. 8. Die Mitglieder der Beerdigungsbrüderschaft verwarne ich und verbiete allen, beim Waschen38), oder bei der Beschäftigung mit meiner Leiche, sowie den Trägern der Bahre, daß sie Profangespräche führen.