Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 414)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Das Testament des Jakob Hirsch Bi(a)ch Feilbogen. Heinrich F1 e s c h, Dolni Kounice. Das Testament, welches ich hiermit der Öffentlichkeit übergebe, ist die letzte Willensäußerung eines gottgläubigen Mannes, rler bei dem Niederschreiben desselben sich als vor Gottes Richterstuhl stehend betrachtet. Die irdischen Güter, über welche er zu verfügen, sind gering, aber das was ihm im Leben teuer war, das Studium des Gotteswortes, will er von seinen Kindern fortgesetzt wissen, die Träger seines Namens sollen, wenn auch nichts anderes, so doch die Erben seiner Tugenden sein, das fortsetzen, was er begonnen. Das Testament, welches im Kassabuch der Zedaka (Armenkassa) in hebräischer Sprache verzeichnet, lautet in deutscher Übersetzung: „Copie des Testamentes des Verfassers des Werkes „Chaschrat Majim",1) das ist unser Herr Lehrer der Gaon2) und vielgerühmte Fromme, der treue Hirte seiner Gemeinde durch 45 Jahre, von seinem Einzüge bis zu seinem Tode, der Rabbiner3) Jakob Zebi4) Bi(a)ch5) Feilbogen." „Dies ist der Tag den Gott erschaffen hat, frohlocken und freuen will ich mich an demselben. Gelobt sei Er, der mich vom Tage meiner Geburt, Montag, 5. Tamus des Jahres 511 (= 28. Juni 1751), bisher leben ließ und erhalten. Möge Er gewillt sein, meine Tage und Jahre zu vermehren. Doch mein Herz zittert, denn woran sollte ich erkennen, ob ich Gunst finde in seinen Augen, daß es also geschieht. Ich bin alt geworden, kenne nicht den Tag meines Todes, darum zittere ich und fürchte, ich bin ja nackt von (= arm an) Verdiensten und womit soll ich zu meinem Schöpfer zurückkehren und ihn versöhnen, gegen den ich mich durch 75 Jahre vergangen! Ein weiter Weg (liegt vor mir) und ein schmaler Beutel (= geringe Wegzehrung)! Wie soll ich meine Seele aus dem Bedrängnis retten, zur Zeit, da man mich wegen meiner Taten richten wird! Doch mein Trost beruht in denen, die aus meinen Lenden hervorgingen und die ich hinterlasse. Sie sind allesamt gottesfürcbtig und untadelig, üben was recht und gut in den Augen Gottes und der Menschen, sie werden mich leiten, mich an den Ort meines Gefallens,