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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 390

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 390 (sequence 394)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0395-2644736
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390 sogenannte „Kaporessehlagen" am Rüsttage des Versöhnungstages; Nr. 37 der Chronik tritt als Kronzeuge dagegen auf. Bei dem Bestreben den jüdischen Gottesdienst zu verkirchlichen, ihn ganz der Art des christlichen Kultus anzugleichen, wurde begreiflicherweise der Brauch, am Versöhnungstage in den linnenen Sterbekleidern — Kittel und Häubel — beim Gottesdienste zu erscheinen, mißliebig; und wirklich bietet Nr. 36 unserer Chronik den Beweis, daß man schon in alter Zeit gegen das Anlegen der Sterbekleider beim Gottesdienst am Versöhnungstage aufgetreten war. Dem stets wachsenden Heimats- und Vaterlandsgefühl der Aufklärer war die Sehnsucht nach dem heiligen Lande zuwider, und wirklich finden wir in Nr. 19, 27, 50 Nachrichten mit gleicher Tendenz. Zum Zwecke der Erhöhung des Patriotismus wird die Geschichte geradezu ins Gegenteil verfälscht, so tragen die Juden den gelben Fleck zu ihrem Schutze (Nr. 4), die Gemeindevorsteher verbieten den jüdischen Ärzten die Behandlung christlicher Kranken (Nr. 51), den Hebammen die Geurtshilfe bei Nichtjüdinnen (Nr. 129). Auch die Forderungen der neuen Zeit in wirtschaftlicher Beziehung, finden in der Chronik schon Vorbilder, so stellt Nr. 18 einen Tarif für Gastwirte dar, verbietet Nr. 47 das „Vorschlagen" seitens der Kaufleute und Nr. 146 enthält in geradezu verblüffender Weise einen undatierten, aber in alte Zeit verlegten Versuch einer Feuerversicherung. Ich will mich nicht mit den Stücken beschäftigen, die für Reformen in der Administrative und Organisation Belege aus alter Zeit bringen, sie können leicht aus dem Inhaltsverzeichnisse herausgefunden werden. Die bisherigen Feststellungen genügen, Entstehungszeit und Tendenz unserer Chronik festzustellen. Die Ramschak-Chronik ist entstanden in dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts zum Zwecke, eine Geschichte der Judengemeinde Prags zu konstruieren und den Forderungen des sogenannten Zeitgeistes zum Durchbruche zu verhelfen. Wer hat nun dieses tendenziöse Machwerk verfertigt? Mit Sicherheit wird sich das wohl nicht feststellen lassen. Aber alle äußeren Merkmale sprechen dafür, daß derjenige, der zuerst die Aufmerksamkeit darauf lenkt, der sie eingestandenermaßen ins Deutsche übersetzt hat, der das Original benützt hat, es aber niemanden sehen ließ, daß Markus Fischer der Verfasser ist. Diese äußeren Merkmale finden in der Persönlichkeit Fischers mancherlei Stütze. Er ist in Wien 1787 geboren, als Sohn des dortigen Rabbiners Moses Fischer, ein Enkel des bedeutendsten Talmudisten seiner Zeit, des Rabbi Meir Fischeis Bumsla, des Vorsitzenden des Prager Rabbinatskollegiums, er war ein Schöngeist, ebenso bewandert in der zeitgenössischen deutschen Lite-

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