Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 392)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644301--0393-2644734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
388 schneidende Sitte, am Pessach Reis als erlaubtes Genußmittel anzusehen, so ganz in Vergessenheit geraten konnte. Die Berechnung der Seelenzahl nach den Granatäpfeln ist geradezu widersinnig, da jeder Jude sich bemühte, einen eigenen Ethrog zu haben. (Bekanntlich mußten die Juden, als Maria Theresia eine Ethrogsteuer einführen wollte, erst Zeugnisse beibringen, daß nicht jeder einen Ethrog haben müsse, vgl. Lieben in Monatschr. 1903, S. 721.) Nr. 16 wird die Verordnung des Landesoberrabbiners v. J. 1271 erwähnt, ein krasser Anachronismus, da eine solche Organisation erst viel, viel später möglich erscheint. Nr. 30 wird unterm 18. September 1554 eine Beschwerde des Brünner Oberrabbiners erwähnt, obwohl seit 1451 kein Jude in Brünn wohnen durfte. Nr. 94 ist die von Wehli in Ben Chananja veröffentlichte Beschreibung der alten Chronik und ihre Bruchstücke. Hier ist auffällig, daß eine ältere Chronik schon die drei Judengemeinden sich vereinigen läßt, hier ist besonders auffällig, daß die Altneuschul so genau beschrieben wird, daß sie von 931 Jahren durch Samuel Misrachi erbaut wurde, wähend das Jahr der Brandkatastrophe nicht erwähnt wird. Nr. 15 enthält eine Verordnung des Rabbinats gegen den Genuß von Rotwein am Pessach aus d. J. 1390 mit Bezug auf die im Vorjahre, also 1389, erfolgten großen Judenverfolgungen in verschiedenen Orten Deutschlands und der Schweiz. Ist es glaublich, daß das Rabbinat in Prag an den großen Judenpogrom von 1389 nach ein paar Monaten so ganz vergessen hatte, daß es auf Verfolgungen in fernen Ländern hinweisen mußte? Nr. 33 enthält ein überschwengliches Lob auf die Buchdruckerkunst, die eben in Prag durch R. Salomo Barotti als Geldgeber und 'iie Herren Schütz und Dohmer als Sachverständige eingeführt wurde, deren erste Frucht ein Pergamentdruck der Fragen und Antworten des hochseligen Rabbi Jona ist. Wir sind zu gut unterrichtet über die ersten hebr. Buchdrucker Prags, um nicht diese Nachricht sowohl bezüglich der Drucker als auch des Druckwerkes als plumpe Fälschung zu erkennen. Nr. 126 schildert beweglich eine Judenausweisung 1329, die anderswo absolut nicht verzeichnet ist; diese Ausweisung ist um so unwahrscheinlicher, als sie bis 1333 angedauert haben soll und andererseits die Judenverfolgungen in Böhmen 1338, die aus Anlaß der Beschuldigung der Hostienschändung in Kourim ausbrachen, historisch verzeichnet sind.