Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 387)
- Language
- German
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383 Fühlt man sich versucht, bei der oben dargelegten rasch erworbenen Popularität unserer Chronik, die Hand eines geschickten Regisseurs zu vermuten, so wird diese Hand noch greifbarer, wenn man die Zitate sachlich nach ihrem Inhalte prüft. Die von Fischer den älteren Autoren gewissermaßen in die Feder diktierten Zitate, dienen scheinbar zwei Zwecken, erstens der Konstruktion einer Geschichte der alten Judengemeinde Prag, zweitens dem Nachweise, daß vieles, was dem damaligen Zeitgeiste der Aufklärung wünschens- und erstrebenswert ist, auch in alter Zeit schon bestanden hat. Ein geradezu typisches Beispiel ist die von Beer und Schottky erwähnte Verteilung von Reis an die Armen am Pessah. Das westfälische Konsistorium hatte nämlich 1814 im Interesse der Armen bei der herrschenden Teuerung den Genuß von Reis am Pessach gestattet, war aber damit auf den schärfsten Widerstand der Frommen gestoßen. Der Streit zog sich noch lange hin und hat auch eine eigene Literatur hervorgerufen. Da kam die uralte Prager Chronik als erwünschter einwandfreier Zeuge! Man wollte bessere Ordnung, größere Feierlichkeit der Begräbnisse, auch hier fanden sich alte Zeugen, wie einst Leichenrede und Leichenbegräbnis selbst den Edelherren gefallen habe, wie man in alter Zeit brennende schwarze Kerzen oder ein Buch dem Sarge vorangetragen (Zitate bei Jeiteles, Schottky); die Juden sollten sich Kunst und Handwerk widmen, auch dafür gabs Zeugen aus alter Zeit (Zitat bei Schottky). Dem Zwecke der Konstruktion der Geschichte der Prager Judengemeinde dienen die fremdländischen Namen der Gemeindevorsteher, die Erwähnung der Spitalssynagoge, des Prager großen Friedhofes (Zitate bei Jeiteles und Schottky). Auch die von Wehli und Podiebrad frei gewählten Zitate fallen aus diesem Rahmen nicht heraus, auch sie fanden am erwähnenswertesten Stücke in der Richtung der von Fischer ihren Vorgängern vermittelten Zitate. So dienen von den 18 Stellen der Ramschak-Chronik bei Podiebrad 7 der Konstruktion der Geschichte der Prager Gemeinde und ihrer Topographie, 5 der Darlegung des Verhältnisses zwischen Juden und Hussiten, 6 dem Nachweis von Kunst und Handwerk in alter Zeit bei Juden, 1 dem Nachweise der Orgel in der Synagoge. B. Die Handschrift der Ramschak-Chronik. /. Formales. II. Sachliches. III. Inhaltsverzeichnis. I. Formales. Die Handschrift, die vorher vollkommen unbekannt war, ist seit ihrem ersten Auftauchen genau nachzuweisen. Aus dem Besitze Mar-