Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 382)
- Language
- German
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378 Daselbst 10: Von nun an sind bei strenger Ahndung und unter keinem Vorwande Juden als Maurer bei Erbauung oder Ausbesserung von Kirchen oder Kapellen zuzulassen, jedoch dürfen sie Handlangerdienste dabei verrichten. Daselbst 26 (soll heißen 134) im 15. Jahrh.: Es ist schon früher unerläßlich befunden worden, Euch Juden die Ausübung der Handwerke samt und sonders zu verbieten. Obwohl von dieser schon lange bestehenden Anordnung nicht abgegangen werden kann, so war weder bei deren Erlaß noch jetzt gemeint, daß ihr nicht dasjenige verfertigen dürft, was ihr für Mitglieder Eueres Glaubens brauchet, sondern es ist darunter zu verstehen, daß ihr nicht für Christen arbeiten, bauen, zimmern, schmieden, nähen oder was sonst immer Namen haben mag, sollet. Ihr dürfet also für Euch und Eueres Gleichen nähen, gärben, Brod backen, Bier brauen, schmieden, Fleisch hauen, weben, zimmern, bauen, hämmern oder wie sonst heißt oder Namen hat. Es haben Euere Ältesten dafür zu haften, daß keiner, die von Euch verfertigten Sachen an Christen verkaufe, in welchem Falle das durch Eure Hände zu Stande gebrachte nicht nur weggenommen, sondern noch überdies unnachsichtlich mit der Strafe belegt werden soll, womit solches bis jetzt verpönt gewesen. (S. 128.) Daselbst 9: Die Juden empfanden diese Verurteilung zum Müßiggange sehr schmerzlich und gaben ihrem Schmerzgefühle in der Audienz beim Könige Ausdruck. König: Wie vi^l Arme sind unter Euch? Vorst.: Seitdem Ausübung und Betreibung der Handwerke uns vollends untersagt ist, mehren sich diese gleichsam zusehend. (Sehr glaublich.) Der König lenkte das Gespräch auf einen anderen Gegenstand. (S. 128.) Mit dieser Auffassung stimmen viele Daten der Ram.-Chronik, die wiederholt einer prächtigen Spitalssynagoge Erwähnung thun, welche ihren Namen von (Spittel — neu Schillingsgasse) dem Wohnsitze der deutschen und deutsch jüdischen Einwanderer entlehnte. (S. 131.) Ramsch.-Chron. Nr. 94: Im Jahre 1473 wütete die Pest in allen Stadtteilen Prags, schonte weder Alter noch Geschlecht. Alle Familien hatten zahlreiche Verluste zu beweinen, und manche waren bis auf das letzte Glied ausgestorben. Von 7 Gemeindevorstehern erlagen 5 der Seuche. Drei Vierteile der Bevölkerung wurden von der Seuche hingerafft, Leichen blieben, wegen Mangels an Totengräbern, wochenlang unbeerdigt. Nachdem die Pest verschwunden war, zählte manche Synagoge kaum 20 Männer, die vordem zahlreichen Gemeinden schmolzen zu einem geringen Häuflein zusammen. Hierwegen und wegen