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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 376

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 376 (sequence 380)
Language
German
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376 schak,2) Friede mit ihm, der mehrere Bruchstücke davon gesehen hat, soll dieselbe viel Interessantes enthalten haben, wie er sich denn auch in seinem vorgerückten Alter mancher Einzelheit daraus erinnerte, die er uns mitzuteilen pflegte! So erzählte er von der Pest, die vor ungefähr 1803) hier gewütet, und fast sämtliche Individuen aller drei4) hierortigen Gemeinden hingerafft hat. Nach dieser gräßlichen Seuche soll obiger Anführung gemäß, die Anzahl der Juden in hiesiger Stadt so zusammengeschmolzen sein, daß dieselben, da auch Befürchtungen anderer Art hinzukamen, einmütig beschlossen, die sämtlichen jenseits der Moldau, so wie auch die unweit des Wischehrad gelegenen und von ihnen gehabten Häuser zu verlassen, und sich sämtlich nach dem diesseits des Wassers gelegenen Judenviertel zurückzuziehen, was umso leichter geschehen konnte, als zu der Aufnahme ihrer äußerst kleinen Anzahl jetzt Raum genug vorhanden war. Auch erzählte er von dem Brande, der im Jahre5) hier ausbrach und nebst Anderm fast die ganze Judenstadt in Asche legte, indem außer der Altneu-Synagoge, die im Jahre 9316) durch Samuel Misrachi (den Morgenländer) erbaut wurde, 2) D. W. scheint eine Abbreviatur zu sein, und ist als Familienname in Prag heimisch; die Familie Flekeles schreibt sich Ramschak. 3) Hier fehlt das Wort „Jahr/' Wenn solches suppliert wird, so war die Pest 180 Jahre vor dem Schreiber Sam. b. Jesaj hakohen. Ist aber das jüdischchronologische Datum 180 zu verstehen, so müßte die Pest in das Jahr 1420 d. gew. Ztr. gesetzt werden. (Erstere Auffassung erscheint mir wahrscheinlicher, da David Gans die Pest nicht erwähnt. Die Spezialgeschichte der Stadt Prag könnte hier leicht Aufschluß geben. Red.) 4) Daß in Prag in früheren Zeiten drei Judengemeinden waren, kommt in den Analakten öfter vor, nämlich: eine rechts der Moldau, eine links derselben und eine auf dem Wischehrad. Die Schiffer der Moldau waren Juden, und ein noch erhaltener Rabbinatserlaß bestimmt die Stunde, wann dieselben Freitags ihre Arbeit einzustellen haben. (Ich bitte um die Mitteilung dieses Aktenstückes. Red.) 5) Die Jahreszahl fehlt. (Wahrscheinlich ist die Feuersbrunst vor 1689 gemeint, welche in der Karpfengasse ausbrach und so furchtbar in Prag wütete; siehe Schudts Denkw. VI 6, § 3. Red.) 6) 931—1171 der gew. Ztr. Ein scharfes Auge sieht noch heutzutage der Türe gegenüber an der Wand der Synagoge die Worte angeschrieben: TW 71 UTEN 71WTBT« VOD wahrscheinlich ist durch Punkte über einzelne Buchstaben die Jahreszahl der Erbauung angegeben. Dürfte ich eine Vermutung wagen, so würde ich hier nicht 931, sondern 951 lesen, welche Zahl dem Zahlenwerte von ^X^CS^ J?föS2^ gleichkommt. (Die Erbauung hätte mithin 1191 stattgefunden. Ist diese Vermutung unseres verehrten Freundes richtig, so müßten die 1181 aus Prag vertriebenen Juden innerhalb eines Jahrzehntes wieder zurückgekehrt sein. Übrigens haben die böhm. Juden zur Belohnung für ihre, den Christen gegen die Juden geleisteten Dienste schon 995 die Erlaubnis erhalten, eine Synagoge zu bauen.)

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