Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 360)
- Language
- German
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356 geschlossen naehhause transportiert wird". Am 13. IV. soll der Koliner Gemeindevorstand und Gemeindevertreter nach Prag kommen. Die Untersuchung wurde von der Landesjudenschaft am 13. IV. in Prag durchgeführt. Von Kolin waren erschienen: Der Primator, die 4 Ältesten, die 4 Gemeindeältesten, Josel Median und Lippmann Saudek als alte Darlehenskassiere, Josef Joachim Saudek und David Goldes als Approbanten, die beiden beeideten Gemeindeschreiber; Elias Patzowsky und David Isak als Angeklagte, während Samuel Koweinitz wegen Unpäßlichkeit abwesend war (er starb in Kolin während dieser Tagung),77) ferner die von der Gemeinde bevollmächtigten Kontribuenten: Löbl Kostelitz, Feiwel Pollatschek, Josef Nachem, Josef Hersehl, Markus Isak, überdies die drei Vieh- und Geflügelschlachtungs-Pächter. Insgesamt 25 Personen. Das von der Kommissionssitzung ans Gubernium gesandte Protokoll umfaßt 40 Seiten und enthält im Wesentlichen folgendes. Zuerst wurde das Koliner Protokoll vom 8.—12. II. allen Beteiligten vorgelesen und durch ihre Unterschrift bestätigt. Dann wurde die Frage aufgeworfen, ob die drei von Primator Saudek an das Gubernium gesandten Memoranda den Ältesten und Gemeindeältesten bekannt waren. Aus der Antwort war zu ersehen, daß sie davon nichts wußten. Darin erblickte die Landesjudenschaft einen Versuch des Primators, „das für die Gemeinde so nützliche Untersuchungswerk zu hintertreiben". Die von David Goldschmidt am 15. III. in Prag über die verbotene Versammlung gemachten Aussagen wurden von den Beteiligten in einzelnen Punkten richtiggestellt. Er selbst gab zu, gesagt zu haben: „Rafael Blattau hätte verschiedene Rechnungen unter sich, man könne zu keiner Richtigkeit kommen." Oft habe er (Goldschmidt) in den Sitzungen auch „wegen der üblen Wirtschaft und Unrichtigkeit der Rechnungen geredet, aber vergebens." „Wenn Goldschmidt selbst so urteile, so sei er strafbar, daß er seinen Eid nicht gehalten und die üble Wirtschaft nicht angezeigt habe", meint die Landesjudenschaft. „Und die eine Zusammenkunft hielten, um darüber zu beraten, seien eher zu beloben als zu bestrafen." Die schlechte Wirtschaft komme daher, weil keine ordentlichen Rechnungen, kein Geldausweis vorhanden und eine Kasse mit der anderen vermengt sei. Die Vorlage der verlangten Rechnungen erfolgte erst nach Verlauf von vier Wochen, während sie bei ordentlicher Rechnungsführung in einigen Tagen geschehen könne, weil jede Woche ein anderer Kassier sei, der einkassiere und ausgebe. Auch die Darlehenskassa wurde nicht ordentlich geführt, da kein ordentliches Kassa-Register vorhanden sei. Die neuen Darlehenskassiere wollen die ausgewiesenen Restanten von 1694 fl. 53 kr. zur Einkassierung nicht übernehmen, da sie uneinbringlich seien. Die alten