Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 359)
- Language
- German
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355 war. Er selbst bezeichnete die Wirtschaft als eine schlechte, sie sei hauptsächlich während seiner Abwesenheit von den Ältesten verursacht worden. Gegen diese könne er nichts ausrichten, da er nur einer gegen acht sei. Die nächste Zusammenkunft soll wegen des bevorstehenden Pessachfestes erst nach dem Pilsner Markt stattfinden. In hebräischen Briefen an die Landesjudenschaft wies er an der Hand von bestimmten Fällen nach, wie schwer sein Stand gegenüber den Ältesten sei. In einer Eingabe vom 2. III. an das Gubernium schilderte er genau den Hergang der Winkelzusammenkunft, die er als solche bezeichnet, da elf Kontribuenten, deren Zahl sich nach ihrer eigenen Angabe auf 20 erhöhen sollte, in später Nachtstunde (um 10 Uhr) eine geheime Beratung abhielten, wobei der Gegenstand dieser Beratung keine Rolle spiele. Vor drei Jahren sei in Prag eine ähnliche Winkelzusammenkunft auf gleicher Weise gesprengt worden. Die Kammerbuchhalterei mit dem Primator Falk Lederer und Joachim Popper von der Landesjudenschaft sollte die nächste Untersuchung in K o 1 i n abhalten, da bei einer Kommissionstagung in Prag die Kosten für alle Personen aus Kolin, die zu erscheinen hätten, so groß sein würde, daß die Kontributionale in Zerrüttung kommen müßte. Gegen diese Ausführungen wendete die Landesjudenschaft in einem Berichte an das Gubernium ein, daß man den Angeklagten weder „in re, noch in facto" eine verbotene Versammlung nachweisen könnte, da sie nur wegen der Unwirtschaft in der Gemeinde beraten hätten, dagegen sei in der in Prag abgehaltenen Winkel Zusammenkunft von Einführung einer neuen Kontributionale die Rede gewesen. Besonders scharf wendete sie sich auch gegen David Goldschmidt, von dem sie es als Hauptbeschuldigten sträflich fand, während der Kommissionstagung in Kolin wegzufahren. Der auch schon im Laufe der Untersuchung stark angegriffene Älteste David Goldschmidt ersuchte in einem Schreiben an die Landesjudenschaft um separate Einvernahme, entschuldigte sein Fernbleiben von der Untersuchung mit dringenden Geschäften in Lieben und verwies auf seine 16jährige Tätigkeit im Vorstande, wo er stets als ehrlich und beliebt anerkannt gewesen sei. Am 23. III. verständigte das Gubernium die Landesjudenschaft, daß sich Primator Saudek Jakob wegen der Untersuchung betreffend die Darlehenskassa in einigen Punkten beschwert und gebeten habe, die früheren Darlehenskassiere in ihr Amt wieder einzusetzen."6) ..Ihr werdet aber dem dortigen Gemeindevorsteher zu bedeuten haben, daß, wenn jemand entweder von den jüdischen Vorstehern oder Kontribuenten sich mit derlei unbegründeten Behelligungen betreten lassen sollte, selbe allhier allsogleich in Verhaftung genommen und in Eisen