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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 354

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 354 (sequence 358)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644301--0359-2644700
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354 David Goldschmidts Meinung ging dahin, da eine solche „Winkelzusammenkunft" aufs strengste verboten sei, sei es ihre Pflicht, dieselbe zu stören. Er beantragte daher, daß der Primator als Monatshalter um das Stadtgericht und Militär schicken und „zum gründlichen Beweis" 3—4 Personen in Arrest nehmen lassen solle. Dieser Antrag wurde per maiora zu Beschlüsse erhoben. Das Stadtgericht mit Militärassistenz führte richtig drei Personen von den Versammelten ins Gefängnis ab. Diese wurden aber gegen Mitternacht befreit und gingen, ohne nachhause zurückzukehren, direkt nach Prag, um beim Gubernium und bei der Landesjudenschaft gegen die Freiheitsberaubung Klage zu erheben und gleichzeitig der Anklage seitens der Ältesten zuvorzukommen. Diese Anklage ist tatsächlich wegen Zahlungsverweigerung, Friedensstörung und Aufwiegelung erfolgt und wurde von 5 Mitgliedern des Vorstandes unterschrieben. Die Landesjudenschaft erhielt alsbald den Auftrag, die ganze Angelegenheit einer strengen Untersuchung zu unterziehen und darüber einen Bericht zu erstatten. Die Koliner Gemeinde wurde verständigt, daß am 8. II. der Primator der Landesjudenschaft Falk Lederer und der Deputierte Joachim Popper gemeinsam mit dem Koliner Richter die Untersuchung vornehmen werden. Die Kommission begann am 8. Feber ihre Tätigkeit. Durch fünf Tage wurden alle beteiligten Personen mit Ausnahme des nicht erschienenen David Gold Schmidt über die Vorfälle bei der Winkelzusammenkunft und auch über die Finanzgebahrung der Gemeinde vernommen. Die Kommission hat aber auch durch die bereits erwähnte Verpachtung des Viktual-Perdons in Verbindung mit der Einkassierung der Steuern, durch Vergebung des Pachtes der Vieh-Schlachtung, und durch Einsetzung einer besonderen Kommission für die Darlehenskassa positive Arbeit geleistet. Zu diesen Einrichtungen wurden einige von den Beteiligten an der Zusammenkunft herangezogen, was für die Stellungsnahme der Untersuchungskommission bezeichnend ist. Das Untersuchungswerk war jedoch noch lange nicht beendet, es sollte in Prag seine Fortsetzung finden. Die Vertreter der Landesjudenschaft beauftragten die diversen Kassiere, ihre Rechnungen abzuschließen und sie ihnen genau präzisiert einzusenden, sie nahmen die vorhandenen Original-Rechnungen und Quittungen, sowie 13 gebundene, die Gemeinde betreffende Bücher nach Prag mit.74) Primator Saudek Jakob wußte, daß seine Stellung von dem Ergebnis der Untersuchung abhänge und versuchte diese durch verschiedene Eingaben und Briefe noch zu seinem Gunsten zu wenden.76) Am 15. II. legte er der Landesjudenschaft zwei Rechnungen von Rafael Blatt au vor, von deren Richtigkeit er nicht ganz überzeugt

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