Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 350)
- Language
- German
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346 größer als die Vorteile waren, da man die „Ehrenkassiere" nicht so leicht kontrollieren konnte und auch ihre Auslagen nicht unbeträchtlich waren. Diese Ehrenkassiere glaubten auch das Recht zu haben, einen Teil des einkassierten Geldes auf kurze Zeit für ihre eigene Zwecke verwenden zu können, was manchmal eine Verzögerung der Ablieferung zur Folge hatte. Als Kassiere werden genannt Markus Skutsc h51) und Samuel Beer Koweinitz. Rafael Blattau war zuletzt ein Jahr Kassier, er legte aber dieses Amt nieder und ließ durch Ausrufen in der Synagoge die Stelle anbieten. Da sich kein geeigneter Bewerber fand, wurden über seinen Vorschlag die Gemeindeältesten Feisch Bunzel und Pinkas Nathan auf ein halbes Jahr damit betraut,52) wobei ihnen der Auftrag erteilt wurde, die Einkassierung strenge zu betreiben und die Rückständigen ohne Weiteres durch Richter und Militär exequieren zu lassen. Alle diese Maßnahmen halfen nichts, es kam nicht das nötige Geld ein, und die Gemeindekas^a blieb weiter leer. Wie entsetzlich die Geldknappheit in Kolin zu dieser Zeit gewesen sein muß, ist aus dem Umstände zu ersehen, daß die „Talmud- Thor a", die einzige Schule der Juden, wegen Geldmangel geschlossen werden mußte. Die Gaboim (Vorsteher) resignierten und die Lehrer wollten nicht unterrichten.53) Der Gemeindevorstand befaßte sich in seiner Sitzung vom 3. VII. 1767 damit und beschloß, eine Abordnung, bestehend aus Löbl Hersch und Pinkas Nathan zum Rabbiner zu senden, damit er ein Auslese unter den Schülern treffe; nur die begabtesten von ihnen sollten zum Unterrichte zugelassen werden. Gleichzeitig wurde Rafael Blattau und Samuel Levi bevollmächtigt, gemeinsam mit dem Rabbiner, neue Vorsteher zu bestimmen und Vorkehrungen zu treffen, daß der Unterricht wieder aufgenommen werden könne. In Kolin war ein beträchlicher Teil der Juden des Talmuds kundig, einige hatten berühmte Namen als Gelehrte, und die Jugend wurde ganz in diesem Geiste erzogen.54) Es war vorauszusehen, daß die Bemühungen des Rabbiners und der beiden Vorstandsmitglieder zur Fortsetzung des Thoraunterrichtes von Erfolg gekrönt sein werden. Wir erfahren auch mit welcher Mühe die Mittel zusammengebracht wurden. Aus den Synagogen-Büchsen und vom „Aufrufen" zur Thoravorlesung am Sabbat kamen gegen 35 fl. jährlich ein, Zins vom Gemeindehaus 13 fl. 30 kr., aus der Verlassenschaft des R. Oser erhielt die Schule jährlich 12 fl., der Gemeindevorstand, der bisher für die Wohnung des Rabbiners und für das bei ihm für die Schule hinterlegte Geld 36 fl. gezahlt hatte, sollte bis zur Besserung der eigenen Finanzen 24 fl. bezahlen, der Zinsenertrag von dem beim Vorstande der Schule vorhandenen Gelde betrug 15 fl. jährlich. Daher