Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 349)
- Language
- German
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345 Kontribuenten leer ausgegangen war, beschloß der Vorstand, die alten Darlehensschulden unter allen Umständen einzutreiben, eventuell Bodengrund (Felder) und Schulsitze der Säumigen zu versteigern oder sie selbst in Haft zu nehmen, um das einlaufende Geld den Nichtbeteilten geben zu können. Die Darlehenskassiere Josel Median und Lippmann Saudek wurden daher in Abwesenheit des Primators aufgefordert, alle Bücher und Rechnungen vorzulegen. Diese erklärten jedoch, niemals Bücher geführt zu haben, sie hätten halbjährlich bei Ablieferung der einkassierten Beträge dem Oberkassier Saudek Jakob die Rechnungen vorgelegt und sie nachher verbrannt.50) Dann erhielten sie den Auftrag, die vorhandenen Rechnungen abzugeben. Unter Vorsitz des Monatshalters Löbl Hersch wurde über die Rückstattung der (durch Abzahlung) freigewordenen Pfänder beraten, die bei den Darlehenskassieren hinterlegt, von diesen aber nicht ausgefolgt worden waren. Es wurde beschlossen, die Pfänder nebst einer Abrechnung, unterschrieben von Rafael Blattau, Löbl Hersch und Abraham Jakob den Eigentümern auszufolgen. Gleichzeitig wurde über die Ernennung neuer Darlehenskassiere verhandelt. Der Primator war der Meinung, daß die alten Darlehenskassiere solange bleiben sollten, als sie nicht vom Gubernium abgesetzt würden. Dagegen wandte sich Rafael Blattau; nach Weisung der Regierung seien für die neue Anleihe Kassiere zu bestellen, die alten wären damit nicht zu betrauen, wenn sie nicht dazu ernannt würden. Er beantragte, die Gemeindeältesten Löbl Beer und Pinkas Nathan zu Interims-Kassieren zu ernennen. Dieser Antrag wurde mit allen Stimmen der Ältesten und Gemeindeältesten mit Ausnahme des Samuel Hersch Levi angenommen. Dieser enthielt sich der Abstimmung als Protest dagegen, daß er an der neuen Anleihe nicht beteiligt worden war. Er war nicht der einzige, viele Beschwerden an die Landesjudenschaft zeigen, wie groß die Unzufriedenheit mit der neuen Anleihe bei den Kontribuenten war. V. Steuereinnehmer und Steuerpächter. War schon die Steuer eine schwere Last, so war diese Last durch die Art der Einhebung geradezu unerträglich. Die Steuereinnehmer, die „Randare", waren gefürchtet und verhaßt, sie wollten, um Unkosten zu vermeiden und ihren Gewinn zu sichern, pünktliche Bezahlung, aber die Steuerträger hatten nicht immer das Geld bereit. Die Leiter der Koliner Gemeinde glaubten daher beiden Teilen zu dienen, indem sie womöglich aus dem Vorstande „ehrenhalber" Kassiere ernannten, die eine Entlohnung von 1—iy2 Kreuzer vom Gulden und Ersatz der Auslagen erhielten. Die Erfahrung lehrte jedoch, daß die Nachteile dabei 23