Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 333)
- Language
- German
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329 Fensterrahmen, Balken, hölzerne Treppen, Öfen, nahezu alle Eisenbestandteile fehlten. Furchtbar war der Zustand der Synagogen. Am ärgsten hatten die Räuber und Zerstörer in der Altneuschule gehaust. Die dort verborgen gewesenen Bücher waren verschwunden. Der Almemor war gänzlich zerstört, die ihn umgebenden Marmorplatten und alle Eisengitter entwendet, ebenso die Türen der heiligen Lade und die zu ihr führenden Stufen und die Betpulte. Lediglich das steinerne Dach war der Zerstörungswut entgangen. Alles in allem ein Anblick, der tiefste Betrübnis hervorrufen mußte.21) Unterdessen schickten sich die Emigranten auf dem Lande zur Heimkehr an. Mit Rücksicht auf den schlechten Bauzustand der Judenhäuser hielt es aber die Statthalterei für angezeigt, keinen Masseneinzug zu gestatten. Am 27. August wurden die ersten Familien und zwar 101, die besonders ausgesucht worden waren, in die Stadt eingelassen. Gleichzeitig bestellte die Statthalterei Abraham Duschenes, Salomon Koref, Samuel Levi und David Frankel zu provisorischen Gemeindevorstehern und trug ihnen auf, dafür zu sorgen, daß ein jeder in die Stadt einziehende Jude eine auf vorgedrucktem Formular ausgefertigte Konsignation aller Angehörigen seines Hausstandes mitbringe. Diese Verzeichnisse hatte Duschenes zu sammeln und der Ausweisungskommission vorzulegen. Von da an wurden Tag für Tag 30—50 Familien aufgenommen, sodaß um die Mitte September bereits einige hundert Familien wieder in der Heimat waren. Die Heimkehrer begannen, unterstützt von einer Menge christlicher Arbeiter und Handwerker, sofort mit der Herstellung ihrer Häuser und Wohnungen. Schutt und Unrat wurden hinweggeführt, Baumaterial wurde herbeigeschafft und gemauert und gezimmert wurde vom frühen Morgen bis in die Nacht. Am 25. September war der Einzug der Judenschaft im großen und ganzen beendet. An diesem Tage wurde ihr der Tandelmarkt wieder übergeben, welchen einige Tage zuvor die christlichen Handelsleute über behördlichen Befehl geräumt hatten.22- Und ebenso wie hier kam auch in der Judenstadt selbst das altgewohnte Leben und Treiben bald wieder in vollen Gang. Anmerkungen.!) J. Bergl, „Die Ausweisung der Juden aus Prag im Jahre 1744" (Die Juden in Prag, 1926). 2) Die vorliegenden Ausführungen beruhen nahezu ganz auf den Amtsakten der Böhm. Hofkanzlei, der Böhm. Statthalterei und der Judenausweisungskommission, welche im Archiv des Ministeriums des Innern in Prag unter den Bezeichnungen: Hofkanzlei IV. T 1 und A. M. — J 4/1 erliegen. Ausnahmen sind an zuständiger Stelle zitiert. Von Druckwerken habe ich vor allem G. Wolfs Aufsatz „Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im