Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 330)
- Language
- German
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326 noch die Zustimmung der Stände zur Einführung des neuen Militärsystems ab 1. November 1748 und zur Errichtung der „Deputation", eines landesfürstlichen Amtes in Prag, das alle das Finanz-, Steuer-. Münz- und Bergwesen betreffenden Angelegenheiten unabhängig von der Statthalterei in ihrer bisherigen Gestalt, das heißt, ohne jegliche Ingerenz seitens der Stände, besorgen sollte. Als sie dies alles erlangt hatte, gab sie in der Judenfrage nach, jedoch auch jetzt noch in ihrer den Juden gegenüber beliebten Manier, die immer einen Vorbehalt machen und den Stachel der Härte und fortgesetzter Ungnade fühlen lassen mußte. „Nur allein", resolvierte sie am 14. Juli 1748, „weilen so inständigst die Länder es verlangen und ihre äußersten Kräfte anspannen, so will wegen der Juden, aber positive nicht länger als auf 10 Rezeß jähre, wo nachgehends es bei meiner vorigen Resolution sein Bleiben haben solle, accordieren." Darnach sollten also alle Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien auf weitere 10 Jahre geduldet werden und die Prager Juden in die böhmische Hauptstadt zurückkehren dürfen. Weiter verfügte sie, daß anstatt des bisher getragenen 45. Teiles aller Steuern die Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien zusammen einen jährlichen Pauschalbetrag von 300.000 fl. zu leisten haben. Sollten sie sich dazu nicht verstehen wollen, so würden sie ohne weiteres abgeschafft und als einfache Kammerknechte behandelt werden, die mit dem Lande nichts zu tun, infolgedessen auch keinerlei Rechte haben sollten. Die Prager Emigranten verfolgten inzwischen die Wiener Verhandlungen begreiflicherweise in gespanntester Erwartung. Denn nun sollte sich ihr Schicksal endgültig entscheiden. In Brandeis hatte der Landesoberrabbiner Isak Spira im Verein mit den Thoragelehrten Buß- und Bittgebete in den Synagogen angeordnet, damit Gott den harten Sinn der Kaiserin erweiche. Einige Führer der Juden hatten sich nach Wien begeben, um den Gang der Ereignisse aus der Nähe verfolgen und diesfalls ihre G]aubensgenossen daheim rasch und zuverlässig informieren zu können. So kam es, daß das Ergebnis der Verhandlungen in Wien den Emigranten in Brandeis bereits bekannt war, bevor noch Maria Theresia ihre Resolution auf dem Akte der Hofkanzlei niedergeschrieben hatte. Am 7. Juli, zwei Stunden nach Mitternacht brachte eine Stafette aus Wien dem Simon Wedeies in Brandeis die freudige Kunde, der sie sofort noch in der Nacht weitergab. Eigene Boten sorgten für ihre rasche Verbreitung in der ganzen Umgebung. Zwei Tage später langte ein ausführlicher Bericht der Vertreter in Wien ein, in welchem dieselben um Entsendung von Bevollmächtigten ersuchten, damit über die Höhe des den Juden zugedachten Steuerquantums mit den Behörden Verhandlungen gepflogen werden können. An demselben Tage