Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 329)
- Language
- German
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325 zurück und überreichten zu Händen Maria Theresias in der Hofkanzlei eine „Remonstration", in welcher sie darauf hinwiesen, daß das angeforderte Kontributionsquantum ohne Zubilligung anderweitiger Erleichterungen fast unerschwinglich sei. Die Stände hätten sich die äußerste Mühe gegeben, solche Erleichterungen ausfindig zu machen, allein „es ist alles Nachdenken und Mühewaltung vergeblich gewesen und das Einzige, so noch übrig bleibete, ist, wann Ihro kaiserl. königliche Majestät, gleich wie die treugehorsambste Stände in ihrer untertänigsten Erklärung ehehin schon darauf angetragen haben, die Juden wiederumb nacher Prag recipiren und die Landesjudenschaft noch fernerhin gedulden und jenes Quantum so ein oder andere Judenschaft jährlich zu kontribuieren hätte, pro sublevamine des Ordinari- Kontribuenten zu füglicher Bestreitung des Domestici, deren Feuer- und Wetter- Damnifikationen und zu anderen derlei dem Ordinari-Kontribuenten aufliegenden Ausgaben mehr zuguten kommen zu lassen, allergnädigst geruhen wollten."17) Des weiteren führen die Delegierten nochmals alle jene schon sattsam bekannten Gründe an, welche für die Duldung der Juden in Prag und auf dem Lande sprechen, und um auch Maria Theresias religiöse Bedenken zu zerstreuen, erklären sie mit allem Nachdruck: „Nebst deme ist die Judenschaft jedannoch ein solches Volk, welches von denen meisten Nationen in der Welt toleriert wird, und die heiligen Väter Augustinus, Thomas und Bernardus wollen behaupten, daß deren Juden Geduldung der Ursachen halber nötig und von Gott so disponiert seie, damit sie als Zeugen von dem alten Testament und denen damaligen Prophezeiungen und göttlichen Wunderwerken unter uns Christen bleiben und nicht sonsten etwa das alte mit dem neuen Testament für Fabeln ausgegeben werden möge. Ja selbst der von Frömmigkeit und Religionseifer sehr berühmte Kaiser Ferdinandus secundus, obschon von ihm ein Gelübde gemacht zu sein geglaubet wird, alle Ketzer auszurotten, hat dennoch die Juden nicht allein beibehalten, sondern denenselben noch verschiedene namhafte Privilegia erteilet." Zum Schluße beantragten die Delegierten, die Kaiserin möge gestatten, daß wenigstens ungefähr 600 bemittelte Familien nach Prag zurückkehren, die mit einem angemessenen Steuerquantum zu belegen wären. Zwecks Verhinderung eines allzu zahlreichen Nachwuchses möge innerhalb einer jeden tolerierten Familie nur einem einzigen Sohne die Eheschließung im Inland gestattet werden. Mit der allmählichen Abschaffung der nichtgeduldeten Juden möge die Ausweisungskommission betraut werden. Die weiteren Verhandlungen ergaben noch mancherlei Schwierigkeiten. Über ihr Steuerpostulat hinaus verlangte nun Maria Theresia