Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 327)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2644300-2644301--0328-2644669- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
323 wann auch hierzu einige und in specie die Städte Budweis, Pilsen. Czaslau, Kuttenberg, Leutmeritz und andere mehr in Vorschlag gebracht werden wollten, so ist doch ganz sicher und gewiß, daß diese Oerter zu Unterbringung derer Juden bei weitem nicht zureichen und also an deme sein würde, daß entweder neue Wohnhäuser für selbe erbauet oder aber selbst die Christen ihre Häuser denen Juden einräumen und käuflich überlassen oder aber wohl gar mit denenselben in einerlei Behausung zusammen wohnen müßten." Nachdem er dargelegt, wie wenig wünschenswert es wäre, christliche Häuser auf dem Lande an Juden zu verkaufen, und nachdem er die Gefahren und Unzukömmlichkeiten geschildert, welche sich aus dem Zusammenleben von Christen und Juden für die christliche Bevölkerung in religiöser Hinsicht schon jetzt ergeben haben und in weit höherem Maße späterhin ergeben würden, führt Graf Haugwitz fort: „So weit nun aber Euer kaiser-königliche Majestät allerhöchste Intention von Einnehmung der Judenschaft in die Stadt Prag bis anhero noch entfernt ist, so viele Beschwerlichkeiten sehen sich in anderen Fällen entgegen, nachdeme obangezeigtermaßen in denen Städten des Landes zu Unterbringung der Judenschaft kein genugsamber Platz übrig, die Erbauung neuer Häuser beschwerlich und die zeitherige Beisammenwohnung derer Juden mit denen Christen allzu gefährlich, auch in Zukunft keinerdings mehr zu gestatten und über dieses noch ganz sicher vorzusehen ist, daß wann es auch eine Möglichkeit wäre, die Judenschaft außer Prag in denen Städten unterzubringen, sodann der ganze Handel und Wandel aus der Stadt Prag auf jene Oerter, wo die Judenschaft befindlich, gezohen und die Klag deren Prager Professionisten noch mehrers vergrößert, diese Hauptstadt Selbsten aber, welche doch große Contributiones zu tragen hat, in einen gänzlichen Verfall geraten, ja bei Entgehung des ganzen Commercii auch ihre ganze Würde und Ansehen verlieren, dargegen die Prager Judenstadt sich in einen Steinhaufen verwandeln und weder Euer kaiser-königlichen Majestät einen Nutzen, weder dem Lande für die demselben anheimb gefallene jüdische Contributionsresten einen Regreß verschaffen, umb so weniger aber hie von ein Haus sobald an Jemanden käuflich gelangen würde, als ohnedies fast die Hälfte deren Prager christlichen Häuser subhastieret und feilstehen, diese aber nicht verkaufet, mithin umbso beschwerlicher die an einem entlegenen Teil der Stadt situierte, dann eng und winkelhaft zusammengesetzte jüdische Häuser an Mann gebracht werden könnten." In Anbetracht aller dieser Umstände sieht sich Graf Haugwitz genötigt, in gleicher Weise, wie dies schon von anderen Seiten gesche-