Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 325)
- Language
- German
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321 derten Geldmittel nicht zu denken sei. Die Stände einigten sich endlich dahin, daß eine Erhöhung der Kontribution auf 4,200.000 fl. bewilligt werden könne, wenn neben anderen Bedingungen auch „die aus dem Königreich ausgebotene Judenschaft sowohl in die Prager Stadt wieder eingesetzt, als auch die Landesjuden noch weiters auf dem Land geduldet werden." Unter Umständen wollten sich die Stände mit der Rückkehr von wenigstens 500—600 der wohlhabendsten Judenfamilien zufrieden stellen. Zu Delegierten für die in Wien in Aussicht genommenen näheren Verhandlungen wählte der geistliche Stand den Erz- Dischof Moriz Gustav Grafen von Manderscheidt und als dessen Ersatzmann den Domherrn Dr. Andreas Kneissel, der Herrenstand den Landesunterkämmerer und Generallandeskriegskommissär Wenzel Kasimir Freiherrn Netolitzky von Eisenberg, der Ritterstand den Landrechtsbeisitzer und Burggrafen des Königgrätzer Kreises Joseph Joachim Wanczura von Rzehnitz, und die königlichen Städte den Primator der Präger Altstadt Johann Wenzel Weywoda von Stromberg. Am 17. April ließ Maria Theresia die ständischen Delegierten ersuchen, ihre Reise nach Wien sofort anzutreten, damit die Konferenzen noch vor ihrer auf Mitte Mai angesetzten Abreise nach Olmütz, wo sie die im Anmarsch befindlichen russischen Hilfstruppen inspizieren wollte, zum Abschluß gebracht werden können. Verschiedener noch zu erledigender Formalitäten wegen konnten dieselben jedoch erst am 29. April von Prag abreisen. Sie hätten aber noch länger verweilen können. Denn Graf Haugwitz hatte infolge einer Erkrankung seine für die Kaiserin bestimmten, nach Materien getrennten Berichte über die Ergebnisse seiner Verhandlungen in Prag nicht rechtzeitig vollenden können. Die Beratungen mit den Delegierten der böhmischen Stände mußten daher bis Ende Mai verschoben werden. Den Bericht zu den Punkten 39 und 40 seiner Instruktion, betreffend die böhmische Judenfrage, vermochte jedoch Haugwitz schon am 9. Mai der Kaiserin vorzulegen. Er führt darin zunächst die in dem Promemoria der christlichen Handelsleute und Professionisten enthaltenen Klagen über die jüdische Konkurrenz an, bespricht dann eingehend das Gutachten der Ausweisungskommission vom 3. Jänner 1747, verweist kurz auf die Darlegungen der ihm „anderweitig beigebrachten so intitulierten Erläuterung" Korefs und gibt über das Ergebnis der ihm aufgetragenen Ermittlungen nachfolgenden Bescheid, der es verdient, hier im vollen Wortlaute wiedergegeben zu werden: „Weilen aber", schreibt Graf Haugwitz, „Euer kaiser-königliche Majestät vigore clementissimae instructionis mir den allergnädigsten Befehl zu erteilen geruhet haben, daß eine Information, ob nach Ab-