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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 320

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 320 (sequence 324)
Language
German
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320 billigung einer dreijährigen Kontributionsfreiheit übergeben werden, so wäre ihnen die Möglichkeit geboten, an deren Stelle industrielle Betriebe zu errichten und solche derart gewinnbringend zu gestalten, daß der Ausfall des jüdischen Steuerquantums bald wettgemacht würde. Es läßt sich vermuten, daß es dem Grafen Kolowrat unschwer gelungen ist, an der Hand des von ihm beigebrachten Materials und auf Grund seiner genauen Kenntnis der Sachlage die Ausführungen des nicht gerade mit viel Geschick stilisierten und begründeten Promemoria auf das richtige Maß zurückzuführen. Auf den 21. März 1748 hatte Graf Gallas, welcher an Stelle des im Sommer zuvor verstorbenen Grafen Schaffgotsch die Geschäfte des Oberstburggrafen und Landtagsdirektors führte, eine Versammlung der Stände des Königreichs auf das königliche Schloß zu Prag einberufen, in welcher dieselben die Botschaft der Königin anhören sollten. In überaus zahlreich besuchter feierlicher Sitzung trug der bevollmächtigte Kommissär der Landesfürstin Graf Haugwitz die Postulate derselben den Ständen vor, in welchen einerseits die Erhöhung der Militärprästationen für das nächste Dezennium auf 4,616.156 fl. jährlich und andererseits die Einführung eines neuen Kontributionssystems sowie eine Reihe anderer Reformen in Verwaltung und Rechtspflege verlangt wurde. An der Hand seiner Instruktion und auf Grund der während seines vierwöchigen Aufenthaltes in Prag gesammelten Informationen erörterte er eingehend alle mit den königlichen Postulaten in Zusammenhang stehenden Fragen, darunter auch die der Prager Judenschaft, in welcher er sich mit Zustimmung der Versammlung auf den Standpunkt stellte, daß eine völlige Vertreibung sowohl der Prager als auch der Landesjudenschaft geeignet wäre, die Interessen des Landes und seiner Gesamtbevölkerung auf das empfindlichste zu schädigen. Seine Ausführungen schloß Graf Haugwitz mit der Bitte um Erwägung und Annahme seiner Vorschläge und fügte die Einladung der Königin hinzu, die Herren Stände mögen, sobald die prinzipielle Annahme der Postulate erfolgt sein werde, ihre Vertreter mit entsprechenden Vollmachten ans kaiserliche Hoflager entsenden, wo über alle näheren Modalitäten beraten und beschlossen werden könnte. Einige Tage später kehrte Graf Haugwitz nach Wien zurück. In den darauf folgenden Beratungen stand die Judenfrage wiederholt zur Diskussion und nahezu einmütige Billigung fand die von Angehörigen aller vier Stände vertretene Ansicht, daß für den Fall der Bewilligung der königlichen Postulate zumindest die Rückkehr der bemittelten und tüchtigen Juden nach Prag gefördert werden müsse, da ohne Inanspruchnahme ihrer Steuerkraft an die Beschaffung der gefor-

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