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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 319

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 319 (sequence 323)
Language
German
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IRI
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319 Informationen. Am 9. März erschien bei ihm, einer im Wege der Statthalterei an die Judenausweisungskommission unterm 4. März ergangenen Einladung Folge leistend, der Praeses derselben Graf Philipp Kolowrat selbst, erteilte ihm auf eine Reihe von Fragen die entsprechende Auskunft und übergab ihm eine Abschrift des schon besprochenen Kommissionsgutachtens vom 3. Jänner 1747. Gleichzeitig überreichte er ihm aber auch eine von Salomon Koref eingebrachte, allem Anscheine nach von dem Sekretär der böhmischen Expedition der Statthalterei Ignaz Anton Charwat auf Grund des demselben zur Verfügung stehenden amtlichen Aktenmaterials ausgearbeitete umfangreiche Denkschrift der Prager Judenschaft, welche folgenden Titel trägt: „Gründliche Erläuterungen über die zwischen diesem Erbkönigreich Böheim, dann denen Juden quoad publicum et privatum unterwaltende, gleichsamb unzertrennliche Verknüpfung, dann welchergestalten das kaiser-königliche Aerarium und mit demselben das Universum Regni durch die alleinige Emigration derer Juden aus denen königl. Prager Städten einen unersetzlich großen Verlust erlitten, mithin durch deren gänzliche Abschaffung in noch weit größeren Schaden gesetzet, dabei auch die bisherige Landesverfassung völlig über den Haufen geworfen werden müßte.4;i5) Im wesentlichen ist jedoch diese Denkschrift nichts anderes, als eine stilistisch erweiterte Wiedergabe des Berichtes der Statthalterei an die Hofkanzlei vom 11. August 1746. Der kaiserliche Kommissär hatte jedoch vorher auch schon ein anderes Schriftstück erhalten, welches die völlige Entfernung der Juden aus dem Lande forderte. Es war dies ein von 79 christlichen Handels- und Gewerbsleuten unterschriebenes „Promemoria über die immerfort dauernde Beeinträchtigung im Handel und Wandel von der Prager ausgeschafften Judenschaft und Störung der christlichen Handlung." Es wurde darin die Behauptung aufgestellt, daß die Kaiserin hauptsächlich deshalb die Juden ausgewiesen habe, weil sie den christlichen Kaufleuten und Professionisten ein gedeihliches Fortkommen sichern wollte. Den Emigranten wird der Vorwurf gemacht, daß sie seit ihrem Auszug alle ihre Forderungen bei den Christen zur Gänze eingebracht, ihre christlichen Gläubiger aber zu Vergleichen auf 30, 20 ja sogar 10 Prozent genötigt haben. Ihre auch nach der Ausweisung fortgesetzte Handelstätigkeit, namentlich aber der Umstand, daß sie zu Schleuderpreisen verkauften, habe zur Folge gehabt, daß die Christen in Schulden geraten sind und ihre Waren nicht anbringen können. Solange es Juden im Lande geben werde, können keine Fabriken aufkommen, weil immer nur Import getrieben werde. Würden den christlichen Handelsleuten die Prager Judenhäuser um einen ermäßigten Preis gegen dreijährige Zahlungsfrist und unter Zu-

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