Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 322)
- Language
- German
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318 An der dem kaiserlichen Kommissär erteilten Instruktion interessieren uns hier lediglich die Fragepunkte 39 und 40, welche er auf Grund der in Prag gewonnenen Informationen zu beantworten hatte. Sie lauten: „39. Nachdem von Steigerung des Preises der Waren in Prag seit der Abschaffung der Juden vieles zu vernehmen gewesen, so ist sich zu informieren, ob seit der Judenhinwegschaffung aus Prag der Preis derer Waren wirklich gestiegen und was für Anstalten vorzukehren, damit das Publikum von denen christlichen Kaufleuten nicht allzusehr bedrückt werde. Weswegen dann auch zu überlegen, 40. ob unser Dienst und des Königreichs Bestes nicht etwan erfordere, die vermöglicheren jüdischen Familien beizubehalten und in was für einer Zahl und wohin sie außerhalb Prag zu repartieren, wie hoch jede Familie das Jahr zu belegen und wie dann die übrigen auf das fördersambste aus dem Lande gebracht werden könnten." Wie man aus letzterem Punkte ersieht, war Maria Theresia damals noch keineswegs geneigt, auch nur einen Teil, geschweige denn die ganze Prager Judenschaft nach Prag zurückkehren zu lassen. Allenfalls die bemittelten Familien gedachte sie außerhalb Prags ansässig zu machen, die übrigen wollte sie auf keinen Fall im Lande dulden. Sie sagte es dem Grafen Haugwitz bei einer Audienz auch noch mündlich, daß die Prager Juden sich keiner Hoffnung auf Retablierung hingeben dürfen und daß solchemnach andere Mittel und Wege zu ihrer Unterbringung oder Fortbringung vorzukehren wären. Allein diesfalls machte man sich weder bei der Hofkanzlei noch bei der Prager Statthalterei besondere Sorgen und rechnete mit voller Zuversicht auf eine weitere Nachgiebigkeit der Kaiserin. Denn darüber war man sich hier und dort schon völlig klar, daß die erhöhten Geldforderungen Maria Theresias von den Ständen in Böhmen mit Gegenforderungen würden beantwortet werden müssen, in denen die Judenfrage auch eine Rolle spielen würde. Die Monate Dezember und Jänner benützte Haugwitz zu Konferenzen mit der böhmischen Hofkanzlei, der Hofkammer und dem Hofkriegsrate. Am 21. Feber 1748 traf er in Prag ein und wurde von den Vertretern der Stände und der Behörden mit der ihm als Spezialgesandten der Königin zustehenden Auszeichnung empfangen. Nach Absolvierung der offiziellen Visiten ging er sofort an die Durchführung seiner Aufgabe. Tag für Tag hielt er Besprechungen ab mit einzelnen Mitgliedern und ganzen Gruppen des Landtages, um die Stände für die Geldforderungen der Kaiserin zu gewinnen und ihre Gegenwünsche und Bedenken anzuhören. Zwischendurch empfing er die Repräsentanten der Behörden zur Entgegennahme zweckdienlicher schriftlicher und mündlicher