Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 319)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2644300-2644301--0320-2644661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
315 Die Handels- und Gewerbsleute der Kleinseite gaben gemeinsam zu Protokoll, daß sie „das quästionierte Memorial weder bei Ihrer Majestät eingereichet, noch davor ehender einige Wissenschaft gehabt hätten." Ansonsten sagten die Perückenmacher, die Wachszieher, Zinngießer, Knopfmacher, Kaufleute, Glockengießer, Kürschner, Gerber und Hutmacher aus, „daß sie mit denen Altstädtern wünschen, damit die Juden auch aus dem Lande abgeschafft werden möchten44 und zwar aus dem Grunde, „weil ihnen durch das Hausieren, teils durch Aufkauf und Verführung des zu ihrer Profession benötigten Materialis, welches sie Professionisten dadurch in einem höheren Preis erkaufen müsseten, ein Schaden zugefüget würde." Dagegen erklärten die Goldarbeiter, Maler, Fleischhacker, Seifensieder, Händler, Glaser, Schlosser, Drechsler, Riemer und Schmiedemeister, daß sie „das Verlangen tragen, die Juden hinwiederum allhier in Prag zu wissen." Außerdem wurden von den Stadthauptleuten die Großkaufleute Zahora, von Lercher, Solnicky, Bramberger, Treutz und der von der Handelskonfraternität angestellte Aufpasser Topiczowsky, in denen man vor allem die Autoren der Beschwerdeschrift vermutete, einvernommen. Aber auch sie leugneten die Urheberschaft ab. Stark übertrieben erschien die Behauptung der Beschwerdeschrift, daß den Emigranten der Aufenthalt in der gesperrten Zone gestattet f^erde. Die diesfalls gepflogenen Erhebungen blieben, soweit der Berauner und Koufimer Kreis in Betracht kamen, völlig ergebnislos. Nur der Rakonitzer Kreishauptmann meldete, daß der ehedem in Roztok wohnhafte Jude Jakob David dorthin zurückkehrt sei. Er habe ihn aber sofort wieder abschaffen lassen. Außerdem wußte er zu berichten, daß dem Vernehmen nach in Smichov und Kosehif in verschiedenen dem Adel und der Geistlichkeit gehörigen Häusern und Gärten von den Besitzern einige Juden geduldet werden. Die Statthaltern ersuchte deshalb den General Fürsten von Lobkowitz, die geeigneten Maßnahmen zur Entfernung der Juden zu treffen, die sich dort etwa verborgen halten sollten. Das Resultat dieser Erhebungen und Vorkehrungen meldete die Statthalterei der Hofkanzlei mit dem Berichte vom 20. November 1747. Sie gab dabei offen zu, daß hie und da Juden, überrascht von der Nacht oder von einem Unwetter, sich genötigt sahen, in verbotenen Ortschaften zu nächtigen. Dies lasse sich nun einmal nicht verhindern. Auch das leugnete sie nicht, daß jüdische Handelsleute, welche unter dem Vorwand, ausstehende Gelder einmahnen oder einkassieren zu müssen. In die Stadt kommen, diese Gelegenheit benützen, verschiedene Geschäfte zu machen. Von so bedeutendem Umfang, daß er die Christ-